Europäischer Forschungsrat zeichnet drei Ruhr-Wissenschaftler aus
Universität Essen

(c) UDE/Jennifer Meina

Großer Erfolg für die Universitätsallianz Ruhr: Die begehrten „ERC Advanced Grants“ gehen nach Dortmund, Duisburg-Essen und Bochum. Die millionenschweren Förderungen fließen in zukunftsweisende Projekte von der Quantenphysik bis zur römischen Archäologie.

Das Ruhrgebiet festigt seinen Ruf als eine der leistungsstärksten Wissenschaftsregionen Europas. Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) hat seine neuesten ERC Advanced Grants bekannt gegeben – eine der prestigeträchtigsten Auszeichnungen der europäischen Forschungslandschaft. Sie wird ausschließlich an international führende Spitzenwissenschaftler vergeben, die bahnbrechende, ambitionierte und unkonventionelle Forschungsvorhaben vorantreiben. Gleich drei Professoren aus den Universitäten in Dortmund, Duisburg-Essen und Bochum konnten sich im harten Auswahlverfahren durchsetzen und sichern sich Fördergelder in Millionenhöhe.

TU Dortmund: Quantenmaterie am absoluten Nullpunkt

Die höchste Einzelförderung im Revier geht an die Technische Universität Dortmund. Der Physiker Prof. Christof Weitenberg erhält rund 3,5 Millionen Euro für sein Forschungsprojekt „InToCold“.

Weitenberg und sein Team untersuchen das Verhalten von Atomen unter extremen Bedingungen – genauer gesagt bei Temperaturen, die sich bis auf wenige Bruchteile dem absoluten Nullpunkt ($0\text{ K}$ bzw. $-273{,}15\text{ °C}$) annähern. Diese ultrakalten Atome dienen in der modernen Physik als eine Art Labor-Simulator, um die hochkomplexen und oft rätselhaften Eigenschaften von Quantenmaterie präzise zu entschlüsseln. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten in Zukunft eine fundamentale Rolle bei der Entwicklung von neuartigen, hochstabilen topologischen Quantencomputern spielen.

Universität Duisburg-Essen: KI beschleunigt die Energiewende

An der Universität Duisburg-Essen (UDE) forscht Prof. Dr. Christof Schulz an der Schnittstelle zwischen Materialwissenschaften und Digitalisierung. Sein Projekt wird vom ERC mit 2,9 Millionen Euro unterstützt.

Schulz widmet sich der Frage, wie hoch entwickelte Diagnostikverfahren in Kombination mit maschinellem Lernen (Künstlicher Intelligenz) eingesetzt werden können, um die chemische Synthese neuer Materialien exakt vorherzusehen. Das große Ziel des Projekts ist es, die Entwicklung von innovativen Materialien für nachhaltige Energieanwendungen und effiziente Katalysatoren massiv zu beschleunigen. Durch die KI-gestützte Vorhersage sollen vielversprechende Stoffe deutlich schneller als bisher aus dem Labor in die reale, industrielle Massenproduktion überführt werden.

Ruhr-Universität Bochum: Die Baulogistik des Römischen Reiches

Ein faszinierendes interdisziplinäres Projekt schlägt die Brücke zwischen Bochum und Mainz. Prof. Dr. Vilma Ruppienė von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) kooperiert in einem großangelegten Vorhaben des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA) unter der Gesamtleitung von Prof. Dr. Dominik Maschek.

Das Forschungsteam erhält knapp 2,5 Millionen Euro, um die monumentale Architektur der Antike mit modernen Augen zu analysieren. Im Fokus steht die Frage, wie die gigantischen römischen Bauwerke logistisch geplant, materialtechnisch organisiert und baulich errichtet wurden. Das Projekt entschlüsselt die antiken Großbaustellen als hochkomplexe sozio-ökonomische Netzwerke und liefert neue Erkenntnisse über das Handwerk, die Ökonomie und das Organisationsgeschick des Römischen Reiches.