„Do kass di drop verloten!“ – Bochum feiert das 638. Maiabendfest
Maiabendfest Bochum

(c) Sebastian Sendlak

Es ist eine Geschichte von Mut, List und einer uralten Rivalität: Wenn am nächsten Mittwoch das 638. Bochumer Maiabendfest beginnt, feiern die Bürger weit mehr als nur den Frühling. Sie feiern eine Heldentat aus dem 14. Jahrhundert, die Bochum bis heute mit Stolz erfüllt – und die Dortmunder bis heute ein wenig alt aussehen lässt.

Das Maiabendfest zählt zu den ältesten Brauchtumsfesten Deutschlands. Doch während andere Städte Schützenfeste feiern, zelebriert Bochum eine handfeste Legende.

Die Nacht, in der die Dortmunder wegliefen

Alles begann zur Zeit des Grafen Engelbert III. von der Mark. Die Stadt Dortmund lag in einer bitteren Fehde mit dem Grafen. In einer dämmerigen Nacht überfielen Dortmunder Kriegsknechte das Dorf Harpen, stahlen das gesamte Vieh und trieben Pferde, Kühe und Schweine fort.

Da die Soldaten des Grafen zu weit weg waren, bat dieser den Bochumer Bürgermeister um Hilfe. Die Antwort des Bürgermeisters ist in die Stadtgeschichte eingegangen: „Do kass di drop verloten!“ (Darauf kannst du dich verlassen!).

Mit Sensen, Mistgabeln und Schmiedehämmern bewaffnet, schlichen sich die Bochumer Jungen an das Lager der schlafenden Dortmunder bei Lütgendortmund heran. Statt eines blutigen Kampfes wählten sie eine List: Auf ein Signal hin entfesselten sie ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert. Die Dortmunder, aus dem Schlaf gerissen und zu Tode erschreckt, glaubten an ein riesiges Heer und ergriffen die Flucht. Das Vieh war gerettet! Zum Dank schenkte Graf Engelbert den Bochumern das ewige Recht, sich jedes Jahr einen Eichbaum aus seinem Wald, dem Harpener Bockholt, zu holen.

Das Programm 2026: Vier Tage Ausnahmezustand

In diesem Jahr wird die Tradition moderner denn je interpretiert. Hier ist der Fahrplan für das viertägige Event-Highlight:

1. Der Auftakt: Kränzebinden und Zapfenstreich

  • Mittwoch (22. April): Los geht es in Harpen (Steffenhorst 1a). Ab 18:00 Uhr sticht die Familie Fiege das erste Fass an. Es wird „Efeukränze gebunden“ – jener Kopfschmuck, den die Maiabendgesellschaft heute noch stolz trägt.

  • Donnerstag (23. April): Der Fokus rückt in die City. Nach dem ökumenischen Gottesdienst in der Propsteikirche (19:30 Uhr) folgt um 21:00 Uhr der Große Zapfenstreich. Ein Gänsehaut-Moment, wenn die Bergmannskapelle die historische Tradition musikalisch besiegelt.

2. Die Party-Meile: Bongard Boulevard & Dorfabend

  • Freitag (24. April): Ab 11:00 Uhr öffnet die historische Festmeile auf dem Bongard Boulevard. Wo sonst Shopping-Trubel herrscht, ziehen Ritter und Gaukler ein.

  • Abends: Während in Harpen beim „Dorfabend“ (Eintritt 10 €) mit DJ gefeiert wird, verwandelt sich der Bongard Boulevard in eine Partyzone mit Live-Acts wie Max Bering und MBP.

3. Das Hauptevent: Der Auszug nach Harpen

  • Samstag (25. April): Der wichtigste Tag! Um 10:00 Uhr marschieren die Bochumer Jungen vom Rathaus aus los, um ihre Eiche zu holen.

  • 12:30 Uhr: In Harpen (Bockholt) wird die „Junggeselleneiche“ ausgegraben. Dazu gibt es die traditionelle Erbsensuppe.

  • Abends auf dem Bongard Boulevard: Die große Rock-Sause! Ab 18:30 Uhr startet „The Movie Trip Show“, bevor um 21:00 Uhr John Diva & The Rockets of Love mit einer 80er-Jahre-Show den Boulevard zum Kochen bringen.

4. Der Familiensonntag: Akrobatik und Tanz

  • Sonntag (26. April): Der Boulevard gehört den Kindern. Ab 11:00 Uhr gibt es ein buntes Programm mit der AWO-Kita, dem Weilenbrink-Orchester und der Akrobatik-Gruppe „Köllerholz bewegt“.

  • In Harpen endet das Fest parallel mit einem Schützenfest und einem letzten Zapfenstreich gegen 16:30 Uhr.

Bochum zeigt in diesen vier Tagen wieder einmal: Unsere Geschichte ist nicht staubig – sie schmeckt nach Bier, klingt nach Rockmusik und lebt durch den Zusammenhalt der Menschen.