
Info-Veranstaltung zur Stadion-Sanierung in Bochum
(c) Sebastian Sendlak
Der VfL Bochum stellt sich auf eine der größten infrastrukturellen Herausforderungen seiner Vereinsgeschichte ein. Im Rahmen einer umfassenden Stadionsanierung soll das Vonovia Ruhrstadion in den kommenden drei Jahren bei laufendem Spielbetrieb modernisiert werden. Bei einer Informationsveranstaltung im RuhrCongress wurden nun detaillierte Pläne vorgestellt – mit weitreichenden Folgen für Fans, Verein und Stadt.
Die Botschaft des Abends war deutlich: Ohne tiefgreifenden Umbau wäre der Profifußball am Standort Bochum mittelfristig nicht mehr gesichert gewesen. „Ab 2029 wäre ein Spielbetrieb in der jetzigen Form nicht mehr möglich gewesen“, hieß es aus dem Projektteam. Entsprechend versteht der VfL das Vorhaben als notwendige Investition in die Zukunft – allerdings verbunden mit erheblichen Einschränkungen im Alltag.
Umbau bei laufendem Spielbetrieb
Die Bauphase soll rund drei Jahre dauern. In dieser Zeit bleibt das Stadion grundsätzlich bespielbar, allerdings nur unter deutlichen Einschränkungen. Tribünen werden abschnittsweise gesperrt, Zuschauerzahlen schwanken je nach Baufortschritt, und auch Dauerkarteninhaber müssen sich auf wechselnde Platzsituationen einstellen.
„Es werden brutale, herausfordernde Jahre“, räumte die Vereinsführung ein. Gleichzeitig sei der Umbau alternativlos. Der VfL spricht von einer „Leidenszeit“, die jedoch notwendig sei, um die langfristige Zukunft des Standorts zu sichern.
Kapazität bleibt unter 30.000
Nach Abschluss der Arbeiten soll das Stadion künftig rund 28.040 Zuschauer fassen. Diese Zahl ergibt sich aus einer alten, weiterhin gültigen Baugenehmigung aus den 1970er Jahren, die als rechtliche Obergrenze gilt. Aktuell liegt die tatsächliche nutzbare Kapazität bei etwa 26.000 Plätzen, unter anderem wegen baulicher Einschränkungen und Sicherheitsauflagen.
Die Verantwortlichen betonten, dass der Bestandsschutz des Stadions gewahrt bleibt. Die Grundstruktur der Arena soll nicht verändert werden, vielmehr gehe es um eine „behutsame Modernisierung im Bestand“.
Neue Fanerlebnisse: Kioske, Toiletten, Wegeführung
Ein Schwerpunkt der Sanierung liegt auf der Verbesserung der Infrastruktur für Zuschauer. So soll die Zahl der Kioske von 17 auf 21 steigen, gleichzeitig werden die Verkaufsstellen technisch modernisiert und die Zahl der Kassen deutlich erhöht.
Auch die oft kritisierten Engpässe im Umlaufbereich sollen entschärft werden. Durch größere Bewegungsflächen und neu organisierte Wegeführung will der VfL das Stadionerlebnis verbessern. Besonders im Bereich zwischen Castroper Straße und Südtribüne sind deutliche Erweiterungen geplant.
Auch die Sanitäranlagen werden umfassend erneuert. Die Kapazitäten sollen um rund 50 Prozent steigen, zusätzlich werden die Toiletten künftig gleichmäßiger über die Tribünen verteilt. Gerade für weibliche Fans und stark frequentierte Bereiche verspreche man sich dadurch deutliche Verbesserungen.
Neue Stadionstruktur: Umbau der Blöcke
Veränderungen wird es auch in der Stadionarchitektur geben. Einige Blöcke werden neu zugeschnitten, Sitz- und Stehplatzbereiche teilweise getauscht oder flexibel nutzbar gemacht. Besonders betroffen ist der Bereich H2, der wieder als Stehplatzbereich mit variabler Nutzung konzipiert wird.
Der bisherige Familienblock wird verlegt, neue Sitzplatzbereiche entstehen unter anderem in anderen Tribünenabschnitten. Ziel sei es, die Verteilung der Zuschauer besser zu steuern und gleichzeitig mehr Flexibilität für unterschiedliche Spiel- und Veranstaltungsszenarien zu schaffen.
Auch im Gästebereich wird umgebaut. Die Kapazität wird neu strukturiert und teilweise reduziert, während angrenzende Bereiche für Heimfans besser nutzbar gemacht werden sollen.
Große Baustelle rund ums Stadion
Nicht nur das Stadion selbst, auch das Umfeld wird grundlegend verändert. Geplant ist ein neuer Stadionvorplatz („Plaza“), der als zentraler Treffpunkt für Fans dienen soll. Künftig sollen sich Besucher dort vor und nach Spielen aufhalten können, unabhängig von der Castroper Straße.
Zusätzlich entsteht ein Parkhaus, das die bislang oft angespannte Verkehrssituation verbessern soll. Auch neue Funktionsgebäude für Polizei, Rettungsdienste und Vereinsorganisation sind vorgesehen. Ziel sei eine deutlich bessere Organisation von An- und Abreise sowie eine Entlastung der umliegenden Wohngebiete.
Eingriffe in den Spieltagsalltag unvermeidlich
Die Bauarbeiten werden sich auch direkt auf den Spielbetrieb auswirken. Mehrere Tribünenbereiche werden phasenweise gesperrt, insbesondere ab der Saison 2026/27 verschärft sich die Situation deutlich. Nicht alle Dauerkarteninhaber werden während der Bauphase jeden Heimspielbesuch wahrnehmen können.
Der Verein kündigte daher ein gestaffeltes System aus Vorkaufsrechten, Ersatzplätzen und Preisregelungen an. Gleichzeitig sollen Dialogformate mit Fans helfen, Lösungen gemeinsam zu entwickeln.
„Charakter des Stadions bleibt erhalten“
Trotz aller Eingriffe betonen Verein, Stadt und Projektbeteiligte, dass der Charakter des Ruhrstadions nicht verloren gehen soll. Die ikonische Struktur, die Nähe der Ränge zum Spielfeld und die besondere Atmosphäre sollen bewusst erhalten bleiben.
„Wir wollen kein austauschbares Stadion“, hieß es aus dem Planungsteam. Stattdessen solle die bestehende Identität modernisiert und in die Zukunft überführt werden.
Der Umbau sei daher kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern eine notwendige Weiterentwicklung. Oder, wie es ein Beteiligter formulierte: „Es ist ein Weg zu neuen Ufern – mit viel Arbeit, aber auch mit einer klaren Perspektive.“
Für die Fans des VfL Bochum beginnt damit eine Phase, die Geduld erfordert. Doch im Hintergrund wächst bereits die Vision eines modernisierten Ruhrstadions – eines Ortes, der Tradition und Zukunft verbinden soll.
