
Tobias Rose mit seiner Tanzpartnerin Sabrina
(c) Frank Rose
Seit rund 15 Jahren steht Tobias Rose auf der Bühne – als Tänzer, Hebepartner, Karnevalist aus Überzeugung. Dabei geht es um mehr, als nur die Schlappen Lappen, und den Bochumer Karneval, der für ihn mehr ist als nur Brauchtum.
Wer Tobias Rose zuhört, merkt schnell: Tanzen und Karneval sind mehr als nur ein Hobby. Karneval wird von der gesamten Familie gelebt. „Karneval verbindet“, sagt Tobias Rose. Und er meint es genauso. Die Geschichte beginnt mit den Schlappen Lappen, in dem sich die gesamte Familie engagiert. Von großen Showtänzen, in Trainingswochen mit kaum Schlaf und zu der Frage, wie lange Körper und Zeit das alles noch mitmachen.
Einstieg in den Tanzsport: „Irgendwann bin ich da reingerutscht“
Zum Karneval sei er über seinen Vater gekommen, erzählt Tobias Rose. Der ist bei den Schlappen Lappen aktiv. „Ein oder zwei Jahre vor mir ist mein Vater aktiv geworden“, erinnert sich Rose. Irgendwann habe er selbst das Interesse entwickelt. „Und dann bin ich quasi damit reingestiegen.“
Zunächst tanzte er in einer Kindertanzgruppe. „In dem Augenblick bin ich halt in dieses Tanzen reingerutscht.“ Zeitgleich hat sich die Stadtgarde aus fünf Vereinen gegründet. Einige aus der Kindergruppe wechselten dorthin. „Die Kindertanzgruppe hat sich leider aufgelöst, aber die Stadtgarde ist geblieben.“ Heute blickt er auf rund 14 oder 15 Jahre Tanzkarriere zurück.
Tanzpartner, Trainer, Vereinsgrenzen
Seine Tanzpartnerin Sabrina hat er überredet, bei der Stadtgarde mitzumachen. „Sie sagte: Ich mache nur mit, wenn wir ein Tanzpaar machen.“ Seitdem sind beide als Tanzpaar unterwegs. Trainiert werden sie von Sascha, wodurch eine Verbindung zwischen Schlappen Lappen und dem Musik- & Tanzverein Bochum Süd-West 2012 e.V. (MTV) entsteht.
„Karneval ist wie eine große Familie“, sagt Rose. Vereinsgrenzen seien fließend. Man unterstütze sich, werde sogar gegenseitig Mitglied. „Mein Herzblut ist trotzdem bei den Schlappen Lappen.“ Doch wenn er für den MTV auftritt, trägt der 28-Jährige auch dessen Mantel. Entscheidend sei der Zusammenhalt.
Lange Tage von 7 bis 18 Uhr
Beruflich arbeitete er von 7 bis 18 Uhr als Physiotherapeut mit seinem Vater in der gemeinsamen Praxis. Danach geht es während der Session direkt zum Training. „Somit endet mein Tag meistens abends um 10, halb 11 Uhr.“ Zusätzlich zu regulären Einheiten kommen die Sondertrainings, besonders vor der Session.
Die kleine Tochter ist zwei Jahre alt. „Dementsprechend sehe ich sie leider, vor allem wenn es auf Karneval zugeht, recht wenig.“ Seine Frau hat Verständnis dafür, trotzdem kommt während der Session die Familie zu kurz, „aber man möchte sein Kind ja selber auch sehen“. Den Balanceakt zwischen Familie, Beruf und Hobby zu finden, ist gerade während der heißen Phase des Karnevals nicht einfach.
Vier Tänze im Kopf – und kein Heimtraining
Während andere regelmäßig zu Hause übten, verlässt Rose sich auf die über Jahre angesammelte Routine. „Ich persönlich trainiere zu Hause nicht einmal.“ Schritte kommen mit der Musik zurück. „Learning by doing“ ist hier das Motto.
Pro Session habe er vier bis fünf Tänze im Kopf: Paartanz, Stadtgarde, Showtanz – manchmal noch eine Zugabe. „Das ist dann schon irgendwann anstrengend“, schmunzelt Rose. Besonders nach einer langen Pause macht sich der Muskelkater bemerkbar. Tanzen ist entsprechend mehr als nur sich etwas im Takt zu bewegen. „Das sind sieben Minuten Vollgas auf der Bühne“, so Rose.
Hebungen, Vertrauen und blaue Flecken
Als Mann sei er „fürs Heben da“. Krafttraining gehöre dazu. Vertrauen ebenso. „Wer kreislaufmäßig nicht fit ist, der tanzt auch nicht“, sagt der Physiotherapeut deutlich. Hebefiguren werden schrittweise aufgebaut, mit Sicherung sowie mit Trainer. Dass man mal abrutscht oder einen blauen Fleck davonträgt, ist „schon fast normal“.
Neid auf Karnevalshochburgen wie Köln oder Düsseldorf verspüre er nicht. „Neidisch ist das falsche Wort. Wir ziehen unseren Hut davor.“ Bochumer Bühnen seien kleiner, die Bedingungen anders. Eine realistische Einschätzung der Bedingungen sei wichtig.
Leistungssport? „Wir machen das, weil es Spaß macht“ Turniere reizen ihn nicht. „Ich muss nicht auf Turnieren tanzen. Ich mache das, weil es mir Spaß macht.“ Ein passender Vergleich seien hier „Handwerker und Heimwerker“. Während andere sich auf den Gewinn von Titeln vorbereiteten, widmete er sich dem Spaß. Dennoch ist Ehrgeiz vorhanden. In sozialen Netzwerken werden sich Videos angeschaut und so Ideen für neue Elemente gesammelt. „Man darf über sich hinauswachsen, aber man muss trotzdem die Füße auf dem Boden lassen.“
Lampenfieber gibt es nach 15 Jahren immer noch
Vor dem 11.11. sei er jedes Jahr nervös. „Alle sagen zu mir: Warum bist du noch nervös? Ich sage: Nein, ich bin immer noch ein bisschen nervös.“ Mit fortschreitender Session lasse das allerdings nach. Dann haben sich die Schritte gefestigt, was den Auftritt erleichtert. Ein Kribbeln bleibt allerdings vor jedem Auftritt.
„Dann geht man auf die Bühne, macht seinen Tanz und geht wieder runter.“ Vorbereitung bedeute vorrangig: warm machen. Gerade bei Kälte ist das ein elementarer Bestandteil, um Verletzungen zu vermeiden.
Nachwuchs und Zukunft im Karneval
Der Generationswechsel macht sich bemerkbar. „Definitiv zu wenig“ Nachwuchs komme nach. Viele starteten in Kindertanzgruppen. Er selbst habe überlegt aufzuhören, den Gedanken allerdings schnell wieder verworfen: „Dafür macht es zu viel Spaß.“
Wie lange er noch tanzen möchte und kann, steht noch in den Sternen. „Da weiß man nie, was in einem Jahr ist.“ Körper, Familie und Beruf sind Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt. Doch eines steht fest: „Ich hoffe persönlich für mich, dass ich dem Karneval lange erhalten bleibe.“
Karneval sei für ihn nicht Trinkgelage, sondern „Leidenschaft“. Tanzen gehört für Rose zwingend dazu. „Spaß haben, nette Leute treffen, Zusammenhalt.“ Und warum Bochum? „Weil es das kleine Gemütliche ist.“ In den Hochburgen sei es fast zu groß. „In Bochum kennt jeder jeden.“ Genau das mache für ihn den Reiz aus. Weniger sei manchmal mehr.
