
10 Jahre Deutsches Fußballmuseum: Außenansicht – Foto: DFM
Die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis würdigt die gesellschaftliche Bedeutung informeller Fußballkultur. Angestoßen wurde das Verfahren vom Deutsches Fußballmuseum.
Die sogenannte Bolzplatzkultur ist in Deutschland als immaterielles Kulturerbe anerkannt worden. Grundlage ist ein mehrstufiges Prüfverfahren der Deutsche UNESCO-Kommission. Das Fachkomitee hebt die soziale und kulturelle Bedeutung des freien Fußballspiels hervor. Besonders im urbanen Raum gilt es als prägend für das Zusammenleben. Die Initiative für den Antrag ging vom Deutsches Fußballmuseum aus. Das Verzeichnis umfasst nun insgesamt 173 kulturelle Ausdrucksformen.
Freies Spiel als Teil der Alltagskultur
Das Spiel auf Bolzplätzen ist seit Jahrzehnten Bestandteil der Freizeitkultur in Deutschland. Es basiert auf informellen Regeln, die häufig spontan ausgehandelt werden. Diese Strukturen fördern nach Einschätzung des Fachkomitees soziale Kompetenzen und Eigenverantwortung.
Im Mittelpunkt stehen niedrigschwellige Zugänge. Kinder und Jugendliche können ohne feste Organisation oder Vereinsbindung teilnehmen. Damit unterscheidet sich die Bolzplatzkultur deutlich vom organisierten Vereinssport.
„Eine kleine Lebensschule“
Museumsdirektor Manuel Neukirchner betont die gesellschaftliche Funktion der Bolzplätze:
„Der Bolzplatz ist eine offene und partizipative Kulturform sowie ein prägender Sozialisationsraum.“
Dort würden Kreativität, Fairness und Selbstorganisation zusammenkommen. Für viele junge Menschen sei das freie Spiel eine erste prägende Erfahrung im sozialen Miteinander.
Wissenschaftlich begleitetes Verfahren
Das Antragsverfahren wurde wissenschaftlich begleitet. Beteiligt war unter anderem Jürgen Mittag von der Deutschen Sporthochschule Köln. Ausgangspunkt war eine Ausstellung des Fußballmuseums aus dem Jahr 2018 zur Fußballkultur im Ruhrgebiet.
Die Anerkennung gilt als Ergebnis eines längeren Prozesses. Dabei wurden historische Entwicklung, gesellschaftliche Relevanz und Weitergabe der Kulturform bewertet.
Weitere Einträge im Kulturerbe-Verzeichnis
Neben der Bolzplatzkultur wurden weitere Traditionen neu aufgenommen. Dazu zählen unter anderem das Herrenschneiderhandwerk und die Schaustellerkultur auf Volksfesten.
Das Verzeichnis dokumentiert kulturelle Praktiken, die in Deutschland aktiv gelebt werden. Mit der Aufnahme der Bolzplatzkultur erhält eine alltägliche Spielform erstmals diese offizielle Anerkennung.
