Darts-Geschichte in den Westfalenhallen
„The Wall“ Martin Schindler

(c) Sebastian Sendlak

Martin Schindler stürmt erstmals in ein Major-Finale

Deutschlands Nummer eins begeistert das Dortmunder Publikum bei der European Championship. Nach einem Gala-Lauf über Wattimena, Clayton und Ratajski muss sich der 30-Jährige im Endspiel erst dem Engländer Ross Smith mit 8:11 beugen.

Die Dortmunder Westfalenhallen standen am Wochenende Kopf, als Martin Schindler deutsche Darts-Geschichte schrieb: Als erster deutscher Spieler überhaupt zog die nationale Nummer eins in das Finale eines Major-Turniers der Professional Darts Corporation (PDC) ein. Getragen von tausenden enthusiastischen Fans auf den Rängen spielte sich Schindler am Finalsonntag in einen regelrechten Rausch, ehe er sich im packenden Endspiel der European Championship dem Engländer Ross Smith nach einer dramatischen Aufholjagd mit 8:11 geschlagen geben musste.

Dominanter Durchmarsch über Clayton und Ratajski

Bereits der Weg in die entscheidende Phase des Turniers war von überragender sportlicher Qualität geprägt. Am Samstag legte Schindler mit einem souveränen 10:4-Erfolg über den Niederländer Jermaine Wattimena das Fundament für seinen Coup. Mit einer herausragenden Doppelquote, Breaks im richtigen Moment sowie sehenswerten High-Finishes von 121 und 91 Punkten zog er als dritter Deutscher nach Max Hopp im Jahr 2018 und Ricardo Pietreczko in den Finaltag ein.

Was Schindler dann am Sonntagnachmittag im Viertelfinale gegen Jonny Clayton auf das Board zauberte, glich einer Machtdemonstration. Der Deutsche überrollte den walisischen Weltklasse-Profi förmlich, ließ ihm beim sensationellen 10:1-Erfolg nicht den Hauch einer Chance und zog als erst zweiter Deutscher nach Max Hopp in das Halbfinale der European Championship ein. Dort wartete der Pole Krzysztof Ratajski, der zuvor überraschend Wunderkind Luke Littler aus dem Turnier geworfen hatte. Auch gegen Ratajski behielt Schindler die Nerven, dominierte die Partie mit 11:6 und verwandelte die Halle bei seinem historischen Finaleinzug in ein Tollhaus.

Aufholjagd im Finale gegen Ross Smith kommt zu spät

Im Endspiel wartete schließlich der Engländer Ross Smith, der zuvor unter anderem Ex-Weltmeister Gerwyn Price ausgeschaltet und im Turnierverlauf mit einem 107er-Average geglänzt hatte. Smith erwischte den deutlich besseren Start und zog mit konsequentem Scoring auf 9:3 davon.

Trotz des scheinbar uneinholbaren Rückstands bewies Schindler enorme Kämpferqualitäten: Angetrieben von den Sprechchören der Fans schloss er Leg um Leg auf und verkürzte bis auf 8:10. Für das ganz große Darts-Märchen reichte es am Ende zwar knapp nicht – Smith verwandelte schließlich seinen Matchdart zum 11:8-Endstand –, doch der historische Schritt von Martin Schindler in ein Major-Finale markiert den bislang größten Einzelerfolg der deutschen Darts-Historie.