Bundespräsident in Hattingen
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Henrichshütte / Hattingen

Frank-Walter Steinmeier verlegt Amtssitz für drei Tage an die Ruhr

Höchster Besuch im Ennepe-Ruhr-Kreis: Vom 22. bis 24. September 2026 führt Frank-Walter Steinmeier seine Amtsgeschäfte von Hattingen aus und schließt dort mit Gesprächen über Strukturwandel, Klimaschutz und Wehrpflicht seine bundesweite Besuchsreihe „Ortszeit Deutschland“ ab.

Das deutsche Staatsoberhaupt tauscht für drei Tage Schloss Bellevue gegen das südliche Ruhrgebiet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verlegt seinen Amtssitz nach Hattingen, um abseits der großen Hauptstadtrhythmen unmittelbar mit Bürgerinnen und Bürgern in den Dialog zu treten. Die 53.000-Einwohner-Stadt steht stellvertretend für die tiefgreifenden Wandlungsprozesse des Ruhrgebiets: Der historische Verlust der Henrichshütte, auf der einst bis zu 10.000 Beschäftigte im Stahlwerk tätig waren, fordert die Kommune bei angespannter Haushaltslage bis heute heraus. Gleichzeitig hat sich die Ruhrstadt mit ihrer denkmalgeschützten Altstadt, den Ruhrwiesen und der umgebenden Hügellandschaft zu einem nachgefragten Wohn- und Ausflugsziel mit steigenden Gästezahlen entwickelt.

Dialogformate von Kaffeetafel bis Kochtopf

Das dreitägige Arbeitsprogramm setzt auf direkte Bürgernähe und gesellschaftliche Diskussionen. Nach einem Auftakttreffen mit lokalen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern im Rathaus sucht das Staatsoberhaupt beim Gang durch die Fußgängerzone spontane Begegnungen mit Passanten. Im Format „Jugend kocht (mit) Politik“ steht Steinmeier gemeinsam mit Jugendlichen am Herd, um über jugendpolitische Anliegen und deren Engagement zu sprechen. Besondere Formen des Zusammenlebens lernt er beim Besuch des Hattinger Mehrgenerationenprojekts „WiWoZu – Wir wohnen zusammen“ kennen, wo generationsübergreifendes Wohnen im Fokus steht.

Wirtschaftliche Zukunftsthemen bestimmen den Besuch bei der RESOL – Elektronische Regelungen GmbH. In den Werkshallen des Hattinger Entwicklers intelligenter Regelungstechnik für effiziente Wärmeversorgung tauscht sich der Bundespräsident mit der Belegschaft und Auszubildenden über industrielle Transformation aus. An der etablierten Diskussionsrunde „Kaffeetafel kontrovers“ stellt sich das Staatsoberhaupt gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern drängenden Gegenwartsthemen: Im Mittelpunkt stehen das Spannungsverhältnis zwischen konsequentem Klimaschutz und wirtschaftlichem Wachstum sowie die Frage, ob Deutschland angesichts veränderter Sicherheitslagen eine Wehrpflicht oder eine allgemeine soziale Pflichtzeit benötigt.

Rudertraining auf der Ruhr und Ordensverleihung in der Henrichshütte

Auch das Hattinger Vereinsleben und der Tourismus finden Berücksichtigung im dichten Protokoll. Beim Hattinger Ruderverein von 1923 greift der Bundespräsident bei einer Trainingseinheit auf der Ruhr selbst zu den Riemen und würdigt den ehrenamtlichen Einsatz im lokalen Breitensport. Mit Vertreterinnen und Vertretern der Reisebranche debattiert er bei einem Rundgang durch das historische Zentrum über die wirtschaftlichen Chancen des Tourismus im Revier.

Den feierlichen Schlusspunkt setzt eine Auszeichnungsveranstaltung am geschichtsträchtigen Industrieort: In der Gebläsehalle des LWL-Museums Henrichshütte überreicht Steinmeier verdienten Bürgerinnen und Bürgern aus Nordrhein-Westfalen den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Mit Hattingen erreicht die Reihe „Ortszeit Deutschland“ nach neunzehn Stationen durch alle Flächenländer ihren zwanzigsten und finalen Schauplatz, der den direkten Austausch zwischen Verfassungsorganen und lokaler Zivilgesellschaft ins Zentrum rückte.