Steinmeiers zweiter „Ortszeit“-Tag in Hattingen
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf der Ruhr

(c) Sebastian Sendlak

Zwischen kontroversen gesellschaftspolitischen Grundsatzfragen und sportlichem Körpereinsatz auf dem Wasser: Am zweiten Tag seiner dreitägigen „Ortszeit Deutschland“ in Hattingen tauchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier tief in den Alltag, die wirtschaftlichen Herausforderungen und das Vereinsleben der rund 56.000 Einwohner zählenden Ruhrstadt ein.

Hattingen steht wie kaum eine andere Kommune der Region für den vielschichtigen Strukturwandel im Revier. Wo einst die Henrichshütte rauchte, prägen heute moderne Gewerbeansiedlungen, Naherholung im Hügelland, die historische Altstadt und der Ruhrtalradweg das Stadtbild. Bei dem bewährten Format der „Kaffeetafel kontrovers“ suchte das Staatsoberhaupt am Mittwochnachmittag den direkten, ungefilterten Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern ohne Expertenbarrieren.

„Kaffeetafel kontrovers“: Spannungsfeld Klimaschutz und Debatte um Pflichtzeit

Im Mittelpunkt der Gesprächsrunde standen zwei Themen, die gleichermaßen vor Ort wie bundesweit für lebhafte Debatten sorgen:

  • Wirtschaftswachstum versus Natur- und Klimaschutz: Wie lassen sich die Ansiedlung von zukunftsfähigen Unternehmen, neue Arbeitsplätze und kommunale Steuereinnahmen mit konsequentem Klimaschutz und dem Erhalt von Grünflächen vereinbaren?

  • Wehrpflicht oder soziales Pflichtjahr: Angesichts einer veränderten internationalen Sicherheitslage diskutierten die Teilnehmenden darüber, ob Deutschland eine Reaktivierung der Wehrpflicht oder die Einführung einer allgemeinen sozialen Dienstpflicht für junge Menschen benötigt.

Steinmeier hörte aufmerksam zu, fragte nach und moderierte die unterschiedlichen Standpunkte, um den demokratischen Diskurs abseits polarisierender Internetdebatten zu stärken.

Schlagkräftig auf dem Wasser: Bundespräsident im Ruder-Vierer auf der Ruhr

Am späten Nachmittag wechselte der Bundespräsident vom Konferenztisch direkt an das Ruhrufer. Beim Hattinger Ruderverein e. V. zeigte sich das Staatsoberhaupt nahbar und gut gelaunt: Steinmeier tauschte das Sakko gegen sportliche Kleidung, stieg am Steg selbst in einen „Vierer mit Steuermann“ und griff beherzt zu den Riemen.

Auf dem Wasser machte der Bundespräsident auf den geruderten Metern eine beachtliche Figur. Dass ihm die Bewegungsabläufe keineswegs fremd waren, kommentierte er mit einem Augenzwinkern: „Es war nicht mein erstes Mal bei einer Ortszeit an Bord eines Bootes.“

Grillabend im Clubhaus: Wertschätzung für das lokale Ehrenamt

Im Anschluss an die sportliche Einheit verlagerte sich das Geschehen in das Bootshaus des Vereins. Bei frisch Gegrilltem und kühlen Getränken nutzte Steinmeier den Abend für ausführliche Gespräche mit den Vereinsmitgliedern, Trainern und Nachwuchssportlern.

Für das Staatsoberhaupt war der Besuch ein klares Bekenntnis zum Breitensport und zum bürgerschaftlichen Engagement: Gerade ehrenamtlich geführte Sportvereine leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und fangen Jugendliche im Alltag auf. Gleichzeitig nahm Steinmeier die Sorgen der Vereinsführung mit – insbesondere über den wachsenden bürokratischen Aufwand und Nachwuchssorgen in Vorstandsetagen, die das Ehrenamt vor Ort zunehmend belasten.

Am Donnerstag schließt Frank-Walter Steinmeier seine 20. und letzte Ausgabe des Erfolgsformats „Ortszeit Deutschland“ in Hattingen mit weiteren Begegnungen ab.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

(c) Jenny Musall / Sebastian Sendlak