Ausstellung auf Zollverein gibt Holocaust-Zeitzeugen eine Stimme für die Ewigkeit
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Zeche Zollverein Essen

Auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein ist eine neue interaktive Ausstellung gestartet. „Holo-Voices“ nutzt KI- und Hologramm-Technik, um Holocaust-Überlebende digital erlebbar zu machen.

Am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, hat auf Zollverein in Essen eine neue Ausstellung eröffnet. „Holo-Voices“ ist im Ausstellungsbereich der Halle 8 zu sehen. Ziel ist es, Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden langfristig zu bewahren. Besucherinnen und Besucher können mit digitalen Zeitzeugen in einen direkten Dialog treten. Die Ausstellung verbindet Erinnerungskultur mit moderner Technologie.

Kern der Ausstellung sind dreidimensionale Hologramme von Holocaust-Überlebenden. Mithilfe künstlicher Intelligenz reagieren sie auf Fragen des Publikums. Grundlage sind umfangreiche Interviews, in denen die Zeitzeugen ihre Erfahrungen dokumentiert haben. Das System erkennt die gestellte Frage und spielt die passende Original-Antwort aus. So entsteht eine dialogische Situation, die persönliche Zugänge zur Geschichte ermöglicht.

Eröffnung am Gedenktag

Eröffnet wurde „Holo-Voices“ von Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Anwesend waren auch die Holocaust-Überlebende Eva Weyl sowie Abraham Lehrer, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die Eröffnung am offiziellen Gedenktag unterstreicht die gesellschaftliche und historische Bedeutung des Projekts. Die Ausstellung richtet sich an ein breites Publikum, darunter auch Schulklassen und junge Menschen.

Zur Ausstellung gehören weitere thematische Module. Die Begleitausstellung „Frag nach!“ stammt vom Deutschen Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek. Ergänzt wird das Angebot durch die Präsentation „Unter Tage. Unter Zwang“, kuratiert vom Verein Zweitzeugen e.V. in Kooperation mit dem Ruhr Museum. Beide Formate vertiefen die Auseinandersetzung mit Verfolgung, Exil und Zwangsarbeit während der NS-Zeit.

Finanzierung und Projektträger

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 3,2 Millionen Euro. Etwa 35 Prozent werden von der RAG-Stiftung, der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie der Brost-Stiftung getragen. Die übrigen Mittel stellt das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen bereit. Projektträger ist die Technische Universität Dortmund, die die Ausstellung wissenschaftlich begleitet.

Mit „Holo-Voices“ wird das Welterbe Zollverein erneut als Ort der Erinnerung und Bildung genutzt. Die Verbindung von Industriegeschichte und Zeitzeugenschaft eröffnet neue Perspektiven auf die Vergangenheit. Die Ausstellung versteht sich als Beitrag gegen das Vergessen und zur Stärkung historischer Bildung in einer digitalen Gegenwart.