
Der Kirchturm des Essener Domes
(c) Achim Pohl | Bistum Essen
Sinkende Kirchensteuereinnahmen und steigende Kosten zwingen das Bistum Essen zu weiteren Sparmaßnahmen. Bis 2038 sollen dauerhaft rund 50 Millionen Euro eingespart werden. Alle Bereiche sind betroffen.
Das Bistum Essen stellt seine Finanzplanung neu auf. Hintergrund sind rückläufige Mitgliederzahlen und wachsende Ausgaben. Der Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat hat neue Sparziele gebilligt. Bereits ab 2027 sollen spürbare Einschnitte umgesetzt werden. Betriebsbedingte Kündigungen schließt das Bistum aus.
Das Bistum Essen will bis 2038 schrittweise rund 50 Millionen Euro dauerhaft einsparen. Die Maßnahmen sollen an veränderte Rahmenbedingungen angepasst werden. Ziel ist ein weiterhin ausgeglichener Haushalt. Die Budgetplanungen ab 2027 orientieren sich bereits an den neuen Vorgaben.
„Wir müssen eine dauerhafte strukturelle Unterfinanzierung verhindern“, erklärt Bistumsökonomin Dr. Mechthild Lütke Kleimann. Die Einnahmen ließen sich kaum steigern, da das Bistum weitgehend von Kirchensteuern abhängig sei.
Mitgliederverlust belastet Einnahmen
Hauptursache der finanziellen Entwicklung sind sinkende Kirchensteuereinnahmen. Diese resultieren aus dem anhaltenden Rückgang der Mitgliederzahlen. Das Bistum Essen zählt aktuell rund 620.000 Mitglieder. Damit hat sich die Zahl seit der Gründung 1958 mehr als halbiert.
Zusätzlich wirkt sich der demografische Wandel aus. Gut verdienende Jahrgänge gehen in den Ruhestand. Nachfolgende Generationen sind zahlenmäßig kleiner und seltener Kirchenmitglieder.
Zwar verfügt das Bistum über Rücklagen. Diese sind jedoch begrenzt und für Risikosituationen vorgesehen. Auch die Erträge aus Finanzanlagen können Schwankungen unterliegen. Das erhöht nach Angaben der Bistumsleitung den Druck, strukturell zu sparen.
„Wir können uns nicht auf Kapitalerträge verlassen“, so Lütke Kleimann. Die Abhängigkeit von den Finanzmärkten sei ein zusätzliches Risiko.
Alle Bereiche des Bistums betroffen
Die Einsparungen sollen sämtliche Bereiche des Bistums betreffen. „Es wird kein ‚Wir sind nicht betroffen‘ geben“, sagt Generalvikar Klaus Pfeffer. Gespart werden soll unter anderem bei den Personalkosten. Frei werdende Stellen sollen kritisch geprüft werden.
Betriebsbedingte Kündigungen sind laut Bistum nicht vorgesehen. Stattdessen setzt man auf Bündelung von Aufgaben und effizientere Abläufe.
Das Bistum verweist auf das Entwicklungsprogramm „Christlich leben. Mittendrin.“. Ziel ist es, kirchliche Strukturen an eine kleinere Kirche anzupassen. Dazu gehören größere Pfarreieinheiten und stärkere Vernetzung kirchlicher Träger vor Ort.
„Es geht nicht um ein ‚Weiter so – nur kleiner‘“, betont Pfeffer. Vielmehr müsse Kirche neu gedacht werden.
Weitere Einsparvorschläge sollen in den kommenden Monaten erarbeitet werden. Dazu zählen auch bereits beschlossene Strukturänderungen, etwa in der katholischen Erwachsenen- und Familienbildung. Neue Ausgaben sind nur noch möglich, wenn sie an anderer Stelle ausgeglichen werden.
Sobald konkrete Entscheidungen getroffen sind, will das Bistum die Betroffenen zeitnah informieren.
