
„Eiskalt erwischt!“ im Varieté et cetera
(c) Sebastian Sendlak
Schwindelerregende Rollschuh-Artistik, weltrekordverdächtige Fußjonglage, schmerzhaft faszinierende Kontorsion und anarchischer Humor: Mit der Neuproduktion „EISKALT ERWISCHT!“ startete das renommierte Varieté-Theater an der Herner Straße fulminant in die kalte Jahreszeit. Regisseur Sammy Tavalis inszeniert ein handverlesenes internationales Spitzenensemble – gekrönt vom bewegenden Heimspiel des Bochumer Eigengewächses Walid Merhi.
Draußen sinken die Temperaturen, drinnen knistert die Premierenspannung: Mit der glamourösen Uraufführung von „EISKALT ERWISCHT!“ läutete das Varieté et cetera am Freitagabend, 30. Oktober 2026, seine diesjährige Winterspielzeit ein. Bis zum 28. Februar 2027 entführt die neue Bühnenshow das Publikum in eine schillernde Welt zwischen atemberaubendem Nervenkitzel, meisterhafter Körperbeherrschung und hemmungslosem Lachen. Unter der Regie von Sammy Tavalis greifen temporeiche Ensemblenummern und intime Solomomente perfekt ineinander, getragen von einer visuellen und musikalischen Dynamik, die den Geist des modernen Varietés lebendig hält.
Pierre Poissonnet & Kimberley Lester: Zirkus-Dynastie und Weltrekord auf Rollschuhen
Als roter Faden und charmanter Gastgeber führt Pierre Poissonnet durch den Abend. Dem britischen Multitalent liegt das Varieté-Handwerk sprichwörtlich im Blut: Als Zirkusartist in der achten Generation reicht seine Ahnenreihe bis zu seinem Ur-Ur-Großvater zurück, dem Gründer des legendären schottischen „Billy Smarts Circus“, der in den 1960er- und 70er-Jahren weltberühmt für seine Fernsehshows war. Nachdem Pierres Eltern fast vier Jahrzehnte lang die Bühnen der Welt bespielten, führt er die Tradition der „Skating Willers“ in dritter Generation fort – zusammen mit seiner Bühnenpartnerin Kimberley Lester.
Was das Duo auf einer winzigen, erhöhten Plattform darbietet, raubt dem Premierenpublikum den Atem: In halsbrecherischem Tempo wirbeln die beiden auf Rollschuhen um die eigene Achse. Zentrifugalkräfte scheinen aufgehoben, wenn Pierre seine Partnerin nur an Händen oder Knöcheln gesichert durch die Luft schleudert. Dass er während dieser extremen physischen Höchstleistung gleichzeitig mit klarer, soulig-prägnanter Stimme live singt, unterstreicht die Vielseitigkeit des britischen Ausnahmekünstlers.
Doch auch solo setzt Kimberley Lester – Zirkuskünstlerin in vierter Generation, deren Referenzen vom Cirque du Soleil in den USA bis zur legendären Bühne des Sydney Opera House reichen – Maßstäbe: Als Antipodistin meistert sie die rare Kunst der Fußjonglage. Auf dem Rücken liegend balanciert und wirbelt sie mit verblüffender Präzision und Leichtigkeit bis zu sechs Bälle simultan durch die Luft. Nicht ohne Grund hält die gebürtige Londonerin für ihre artistischen Glanzleistungen gleich zwei offizielle Einträge im Guinness-Buch der Rekorde.
Kontrolliertes Chaos: Star-Comedian Skizzo bricht alle Regeln
Einen radikalen, wunderbar chaotischen Bruch zur millimetergenauen Zirkuspräzision vollzieht der italienische Star-Entertainer Davide „Skizzo“ Nicolosi. Bekannt aus europäischen TV-Formaten wie „Das Supertalent“ (RTL) und „Italia’s Got Talent“, stürmt der Comedian aus Mailand als unberechenbarer Wirbelwind auf die Bühne.
Seine Rastlosigkeit, sein feinsinniges Gespür für Situationskomik und seine anarchische Improvisationslust verwandeln jede Szene in ein einzigartiges Unikat: Mit einer explosiven Mischung aus scheiternder Magie, grotesker Musik-Comedy, Tanz und hemmungsloser Anti-Jonglage treibt er das Publikum von einem Lachanfall in den nächsten. Skizzo erklärt seine Kunst nicht – er lässt die Gäste das Absurde feiern.
Schwerelosigkeit, Schmerzgrenzen und ukrainische Spitzenakrobatik
Dass das Programm den Titel „Eiskalt erwischt“ trägt, beweist sich in den Momenten, in denen das Publikum vor Staunen und Mitfiebern erstarrt:
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Deibit y Nymeria an den Strapaten: Die spanischen Artisten Conchi und Deibit interpretieren die kräftezehrende Luftakrobatik an den von der Decke herabhängenden Baumwollgurten neu. Das auch privat lierte Paar verzichtet auf überholte Geschlechterklischees: In einer spektakulären Sequenz übernimmt Conchi den tragenden Part und hält ihren Partner hoch über den Köpfen des Auditoriums allein mit der ungeheuren Beißkraft ihres Kiefers im waghalsigen Zahnhang.
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Sudi Salumu (Sansibar/Duisburg): Der charismatische Kontorsionist, der seit seinem zwölften Lebensjahr vor Publikum steht und als Preisträger der Newcomer Show 2025 mit einem Engagement im Varieté et cetera belohnt wurde, definiert die Grenzen des menschlichen Körpers neu. Als sogenannter Schlangenmensch verbiegt und verwindet er seine Gelenke mit einer Eleganz und Leichtigkeit, die das Hinschauen zugleich faszinierend und beinahe schmerzhaft macht.
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Trio Beautiful (Ukraine): Die drei jungen Artistinnen Olena, Yevheniia und Anastasiia lernten sich während ihres Sportwissenschafts-Studiums (Master) kennen und eroberten seither renommierte Adressen wie das französische Fernsehen und das Circus Theater Roncalli. Bei ihrer Hand-auf-Hand-Partnerakrobatik verschmelzen schiere Athletik, vollkommene Körperbeherrschung und pure Ästhetik zu lebendigen Skulpturen.
Das emotionale Heimspiel: Walid Merhis Aufstieg vom Service auf die Bühne
Der wohl berührendste Augenblick der Premiere gehörte einem echten Bochumer Lokalmatadoren: Walid Merhi. Für den 23-Jährigen schließt sich mit diesem Engagement ein bemerkenswerter Lebenskreis. Als Jugendlicher entdeckte er seine Liebe zur Zirkuswelt im städtischen Kinder- und Jugendzirkus Ratz Fatz, der seit jeher vom Varieté et cetera gefördert wird. Später jobbte Merhi im Service des Theaters an der Herner Straße, trug Tabletts an die Tische und schaute ehrfürchtig zu den Profis auf, ehe er den Sprung an die renommierte Staatliche Artistenschule Berlin wagte.
Nach seinem erfolgreichen Abschluss im Jahr 2025 und Tourneen quer durch Deutschland und Chile steht Walid Merhi nun als gefeierter Solist im Rampenlicht seiner Heimatstadt. Seine innovative Jonglage-Darbietung kombiniert klassische Bälle mit modernen Frisbee-Scheiben. Zur Synthese aus klassischen Melodien und treibenden Beats zaubert er geometrisch fließende Flugbahnen durch den Raum, die das Premierenpublikum zu langanhaltendem Szenenapplaus hinrissen.
(Leser-Hinweis: Die Redaktion des Bochum Journal hat Walid Merhi hinter den Kulissen getroffen – ein großes, ausführliches Exklusiv-Interview über seinen Werdegang vom Servicekraft-Job ins Scheinwerferlicht erscheint in wenigen Tagen).
Spielzeiten, Tickets und Gastronomie
Die Winterproduktion „EISKALT ERWISCHT!“ gastiert vom 30. Oktober 2026 bis zum 28. Februar 2027 im Theater an der Herner Straße 299 in 44807 Bochum. Das Varieté verbindet die rund zweistündige Bühnenshow traditionell mit einem optionalen gastronomischen Menü- und à-la-carte-Angebot vor Vorstellungsbeginn. Tickets, genaue Spieltage, Menüarrangements und Reservierungsmöglichkeiten sind telefonisch sowie direkt im Webshop unter www.variete-et-cetera.de verfügbar.









