
Restaurierung des Yves Klein Relief
(c) Gerd Kaemper
Ein Kooperationsprojekt zwischen der Stadt Gelsenkirchen und der TH Köln schützt die monumentalen Schwammreliefs des französischen Künstlers mit eigens entwickelter Reinigungstechnik vor dem Verfall.
Sie prägen das Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen wie kein anderes Kunstwerk: Die ultramarinblauen Wand-Reliefs des berühmten Künstlers Yves Klein im Foyer und der Garderobenhalle. Die zwischen 1957 und 1959 in Zusammenarbeit mit dem Architekten Prof. Werner Ruhnau entstandenen Werke umfassen rund 400 Quadratmeter und gelten als Schlüsseldokument der Nachkriegsmoderne. Es handelt sich um die einzigen öffentlichen Auftragsarbeiten Kleins zu Lebzeiten. Gleichzeitig nutzte er hier erstmals Naturschwämme als Gestaltungsmittel. Nach Jahrzehnten haben Umwelt- und Lichteinflüsse sowie Staub den fragilen Kunstwerken zugesetzt. Nun werden die Werke vor Ort mit modernster Technik konserviert und gereinigt.
Wissenschaftliche Expertise trifft auf maßgeschneiderte Spezialtechnik
Seit 2020 stehen die Kunstwerke unter wissenschaftlicher Beobachtung. Die Restauratorinnen Nelly Paletta und Rabea Blasczyk untersuchten die Reliefs im Rahmen eines Masterprojekts an der TH Köln unter der Leitung von Prof. Dr. Gunnar Heydenreich kunsttechnologisch. Mithilfe naturwissenschaftlicher Analysemethoden wie der Raman-Spektroskopie und Farbmessungen analysierten sie die Materialzusammensetzung und entwickelten ein Erhaltungskonzept.
Da die pudrige Farboberfläche und die Naturschwämme extrem empfindlich auf mechanische Belastung reagieren, schied eine herkömmliche Reinigung aus. In Zusammenarbeit mit den Unternehmen Kärcher und Schnick Systemtechnik wurde eine innovative Spezialmethode entwickelt:
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Kombinierte Druck- und Saugluft: Ein speziell angefertigtes, handgeführtes Gerät wirbelt Staubpartikel mit einem feinen Luftstrom sanft auf und saugt sie simultan direkt ab.
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Manuelle Feinarbeit: Parallel werden anhaftende Schmutzpartikel mit einem weichen Haarpinsel vorsichtig gelöst.
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Erhalt der Pigmente: Das Ziel ist eine deutliche Reduzierung der Staubschicht, ohne dabei wertvolle Farbpigmente abzutragen.
Sowohl Schnick Systemtechnik als auch Kärcher stellen die benötigten Sondergeräte, verlängerten Schlauchsysteme und die Druckluftversorgung kostenfrei im Rahmen eines Kultursponsorings zur Verfügung.
Nachwuchsförderung und internationale Forschung im Juli 2026
Vom 20. bis zum 31. Juli 2026 findet im Garderobenbereich des MiR die finale Praxisphase zur Konservierung der beiden kleineren Schwammreliefs statt. Unter der fachlichen Anleitung des Leitungsteams arbeiten sieben Master-Studierende der TH Köln, der Universität Amsterdam und der Akademie der bildenden Künste Wien aktiv an der Festigung der Farbschichten und der schonenden Oberflächenreinigung.
Das Projekt wird in Abstimmung mit den Denkmalbehörden, der Yves Klein Foundation sowie mit Unterstützung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und der Stadt Gelsenkirchen durchgeführt. Kulturreferatsleiterin Andrea Lamest betonte bei einem Besuch der Arbeiten die Bedeutung der Reliefs, die nicht nur das Theater als Gesamtkunstwerk prägen, sondern identitätsstiftend für ganz Gelsenkirchen seien.
