
Verbraucherzentrale stellt Bericht vor mit OB
(c): Gerd Kaemper
Im Jahr 2025 dominierten Kredit- und Finanzfragen die Beratungen in Gelsenkirchen. Zudem stellen Künstliche Intelligenz und Online-Handel neue Hürden dar.
Die Verbraucherzentrale Gelsenkirchen zog am Donnerstag, 20. August, Bilanz über das vergangene Beratungsjahr und übergab ihren Jahresbericht 2025 an Oberbürgermeisterin Andrea Henze. Bei insgesamt 6.367 bearbeiteten Anliegen und 2.126 Rechtsberatungen sowie Rechtsvertretungen bildeten finanzielle Angelegenheiten den größten Einzelschwerpunkt. So machten Kredit- und Finanzthemen mit 43 Prozent den Hauptteil der Nachfragen aus, gefolgt von Energiefragen mit rund 20 Prozent. Leiterin Sigrun Widmann und NRW-Regionalleiterin Manuela Duda nutzten das Treffen im Rathaus, um neben den statistischen Kennzahlen auch strukturelle Veränderungen in der Verbraucherberatung zu thematisieren. Oberbürgermeisterin Andrea Henze würdigte die Einrichtung als unverzichtbare, kompetente Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger in Zeiten immer unübersichtlicherer Vertragsmodelle.
Komplexe Gesetze und Trugschlüsse durch Künstliche Intelligenz
Die Fragestellungen der Ratsuchenden gewinnen nach Einschätzung der Expertinnen spürbar an Komplexität. Neue gesetzliche Vorgaben, verschachtelte Vertragskonstruktionen und mehrdimensionale Konfliktfälle verlangen von den Beraterinnen eine zunehmend zeitintensive Einzelfallprüfung. Zugleich verändert der breite Einsatz von Künstlicher Intelligenz den Beratungsalltag. Zwar formulieren Verbraucher ihre Beschwerden heute mithilfe digitaler Werkzeuge oft detaillierter vor, doch weichen diese Texte im Gespräch bisweilen vom tatsächlichen Kern des Sachverhalts ab.
Zudem führen automatisierte KI-Rechtsauskünfte und fehlerhafte Angaben im Vorfeld häufig zu überzogenen Erwartungen, die sich an der juristischen Realität brechen. Die Aufgabe der Beratungsstelle bestehe daher vermehrt darin, die Vorstellungen der Bürger mit der tatsächlichen Gesetzeslage abzugleichen und gangbare Optionen aufzuzeigen, betont Einrichtungsleiterin Sigrun Widmann. Dies schließe mitunter auch ein, Ratsuchende offen darüber zu informieren, dass sich manche gewünschten Ergebnisse nicht durchsetzen ließen. Parallel dazu analysiert der Verband gegenwärtig eigene Einsatzmöglichkeiten, um digitale Assistenzsysteme unterstützend in die eigenen Beratungsprozesse zu integrieren.
Risiken im Online-Handel und präventive Marktbeobachtung
Einen weiteren Schwerpunkt des Jahresberichts bilden die wachsenden Fallstricke beim Einkauf im Netz. Einer Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands zufolge erlebten 78 Prozent der Befragten in den vergangenen zwei Jahren Probleme bei Onlinekäufen, darunter verzögerte Lieferungen, mangelhafte Ware, versteckte Zusatzkosten oder irreführende Shop-Gestaltungen. Ebenso erweist sich der oft beworbene Käuferschutz bei Zahlungsdienstleistern in der Praxis nicht immer als lückenlos wirksam.
Über die individuelle Hilfestellung hinaus begreift sich die Verbraucherzentrale als wichtiges Frühwarnsystem für Marktverfehlungen. Durch den Einsatz kollektiver Rechtsinstrumente können unlautere Geschäftspraktiken gestoppt und Betroffene auch bei Massenschäden gezielt unterstützt werden. Neben der individuellen Betreuung erreichten die Beraterinnen im Jahr 2025 mit 168 Informationsveranstaltungen über 3.000 Menschen im Stadtgebiet. Ziel bleibt es, bestehende Schutzlücken im digitalen Raum schrittweise zu schließen und das präventive Konsumwissen in der Bevölkerung nachhaltig zu stärken.
