Rat Gelsenkirchen wählt AfD-Bürgermeister ab
Buergermeister Werner Woell und Oberbuergermeisterin Andrea Henze

(c) Stadt Gelsenkirchen

Zweidrittelmehrheit erzwingt den Wechsel an der Stadtspitze: Nach der erfolgreichen Abberufung von Norbert Emmerich (AfD) kehrt der erfahrene CDU-Stadtverordnete Werner Wöll in das repräsentative Amt zurück.

In der Gelsenkirchener Kommunalpolitik ist es zu einer historischen Richtungsentscheidung gekommen. Der Rat der Stadt hat den CDU-Stadtverordneten Werner Wöll zum neuen Bürgermeister und damit zum zweiten Stellvertreter von Oberbürgermeisterin Andrea Henze gewählt. In der entscheidenden Abstimmung am Donnerstag, 9. Juli 2026, entfielen 41 von 66 abgegebenen Stimmen auf den erfahrenen Christdemokraten. Wöll ist in diesem Amt kein Unbekannter: Er bekleidete den Posten des 2. Bürgermeisters bereits erfolgreich in der vergangenen Wahlperiode und bringt eine jahrzehntelange Erfahrung im kommunalpolitischen Betrieb mit.

Der personelle Wechsel an der behördlichen Spitze wurde durch eine historisch seltene Abwahl notwendig. Zuvor hatte das Gelsenkirchener Stadtparlament den bisherigen Amtsinhaber Norbert Emmerich (AfD) mit der gesetzlich vorgeschriebenen Zweidrittelmehrheit abberufen. Hintergrund des parteiübergreifenden Antrags war die parteiinterne Empörung über ein kontroverses und als rassistisch kritisiertes Video in den sozialen Medien, an dessen Aktion Emmerich aktiv beteiligt war. Um eine tragfähige politische Konsequenz zu ziehen und ein klares Zeichen gegen menschenverachtende Grenzüberschreitungen zu setzen, formierte sich ein breites demokratisches Bündnis im Rat.

Deutliche Entscheidung gegen AfD

Der gemeinsame Antrag auf Abberufung wurde von den Fraktionen von SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen, den Ratsgruppen FDP und GUT sowie den Einzelmandatsträgern der Wählerbündnisse WIN und Die PARTEI getragen. Die Abstimmung über die Abberufung erfolgte gemäß den strengen Vorgaben der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung ohne vorherige parlamentarische Aussprache. Da es sich bei der Ab- und Neuwahl um eine reine Vertrauensentscheidung handelt, wurde auf eine inhaltliche Debatte im Ratssaal verzichtet.

Auf ausdrücklichen Antrag der AfD-Fraktion wurde das Votum als geheime Abstimmung durchgeführt. Für die erfolgreiche Abberufung des Stellvertreters war ein qualifizierter Beschluss von mindestens 45 Stimmen der gesetzlichen Mitgliederzahl des Gelsenkirchener Rates vonnöten, wobei die Oberbürgermeisterin ein volles Stimmrecht besitzt. Am Ende votierten 47 Ratsmitglieder für die Entlassung Emmerichs aus dem Amt, womit die Hürde für den qualifizierten Beschluss erfolgreich übersprungen wurde. Während Emmerich weiterhin den Fraktionsvorsitz seiner Partei im Stadtrat behält, übernimmt Werner Wöll ab sofort wieder die repräsentativen Aufgaben und offiziellen Termine in Vertretung der Gelsenkirchener Oberbürgermeisterin.