
FC Schalke 04 / Veltins Arena Gelsenkirchen
(c) Sebastian Sendlak
Exakt 5.000 Mitglieder – davon 4.902 stimmberechtigt – haben am Samstag an einer mehr als sechsstündigen Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 in der VELTINS-Arena teilgenommen. Im Fokus des emotionalen und von stehenden Ovationen geprägten Vereinstreffens standen neben sportlichen Erfolgen vor allem die personellen Weichenstellungen, wichtige Satzungsänderungen sowie der Umgang mit einer massiven finanziellen Altlast.
Die Wahlergebnisse: Kontinuität im Aufsichtsrat und neue Gesichter
Bei den turnusgemäßen Wahlen setzten die Schalker Mitglieder auf bewährte Kräfte und Kontinuität. Die auslaufenden Amtszeiten von Axel Hefer und Holger Brauner im Aufsichtsrat wurden um drei weitere Jahre verlängert. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hefer erhielt dabei 2.975 Stimmen, während für Brauner 2.498 Mitglieder votierten. Die beiden Gegenkandidaten Malte Stuckmann mit 1.911 Stimmen und Michael Esken mit 1.188 Stimmen verpassten hingegen den Einzug in das Kontrollgremium.
Auch im Wahlausschuss wurden zwei Plätze turnusgemäß neu besetzt. Hier setzten sich Mitja Müller mit 2.154 Stimmen und Dr. Meinolf Weidenbach mit 1.701 Stimmen gegen Thorsten Carow und das bisherige Gremiumsmitglied Dennis Steckel durch. Stefan Schorlemmer, der das Gremium über viele Jahre hinweg überwiegend als Vorsitzender geleitet hatte, trat nicht erneut zur Wiederwahl an und wurde von der Versammlung mit lautstarkem Applaus verabschiedet. Zudem wählte die Mitgliederversammlung das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Peter Lange neu in das Ehrenpräsidium. Sowohl der Aufsichtsrat als auch der Vorstand wurden für den Zeitraum vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2025 von den Mitgliedern offiziell entlastet.
Satzungsänderungen: Drei von fünf Anträgen digital angenommen
Insgesamt standen auf der Versammlung fünf frist- und formgerecht eingereichte Satzungsänderungsanträge zur digitalen Abstimmung. Davon passierten drei Entwürfe erfolgreich die notwendigen Hürden, während zwei Anträge abgelehnt wurden. Angenommen wurden die Neuregelungen zu den Themen der Lizenzierung, der Fristen sowie zur Zusammensetzung des Aufsichtsrats bezüglich der Stimmberechtigung bei Kooptationen. Keine Mehrheit fanden hingegen die Anträge zum Ehrenpräsidium sowie zu einer veränderten Zusammensetzung des Aufsichtsrats, die den Wegfall des Bestimmungsrechts des Sportbeirats und eine zusätzliche Kooptationsmöglichkeit vorsah.
Ein weiterer intensiv diskutierter Antrag von Dennis von Heesen zur Reformierung der Aufsichtsratszusammensetzung, der den Wegfall des Entsenderechts des SFCV zugunsten eines gemeinsamen Rechts mehrerer Fanorganisationen forderte, wurde nach der Vorstellung vom Antragsteller selbst zurückgezogen. Nach geplanten Gesprächen mit verschiedenen Fanorganisationen soll dieser Entwurf im kommenden Jahr in modifizierter Form erneut eingebracht werden.
Finanzen: Das negative Eigenkapital als „Holland-Rad“ der Bundesliga
Obwohl sich die Liquidität des Clubs im Vergleich zu den Vorjahren spürbar verbessert hat und Schalke seine Rechnungen zuverlässig zahlt, bleibt das negative Eigenkapital in Höhe von minus 96,6 Millionen Euro der größte wirtschaftliche Bremsklotz des Vereins. Vorstandsvorsitzender Matthias Tillmann und Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers legten die harten Fakten der nationalen Lizenzierung offen. Während im Kalenderjahr des Aufstiegs noch eine Verbesserung von null Prozent ausreicht, muss Schalke das negative Eigenkapital ab 2027 jährlich um zehn Prozent senken. Das erfordert einen Gewinn von rund zehn Millionen Euro aus dem laufenden Betrieb. Ein Verfehlen dieser strengen DFL-Auflage zieht in der Folgesaison automatisch einen sportlichen Abzug von drei Punkten nach sich. Da jährlich zudem mehr als acht Millionen Euro an Zinsen fällig werden, fehlen dem Verein somit knapp 20 Millionen Euro, die nicht in den Lizenzkader oder die Nachwuchsarbeit investiert werden können.
Sportvorstand Frank Baumann bemühte hierzu einen bildhaften Vergleich mit der aktuell laufenden Tour de France und betonte, dass die Bundesliga ein reiner Verdrängungswettbewerb sei. Das Problem liege darin, dass die Konkurrenz schon mit viel Vorsprung in den Berg hineingefahren sei. Zudem fahre Schalke durch das negative Eigenkapital mit einem Holland-Rad, während die anderen teilweise mit aufgepimpten Rennmaschinen unterwegs seien. Die Vereinsführung stellte unisono klar, dass die im Vorjahr gegründete Genossenschaft „Auf Schalke eG“ die mit Abstand beste Option sei, um aus dem Holland-Rad wieder eine funktionierende Rennmaschine zu machen. Nur so könne der Club dauerhaft unabhängig und selbstbestimmt handeln, ohne Talente vorzeitig unter Wert abzugeben. Bislang sind rund 9.000 der mittlerweile fast 225.000 Vereinsmitglieder der Genossenschaft beigetreten.
Sport & Infrastruktur: Kampfansage bei den TV-Geldern und Umbau im Berger Feld
Sportlich feierten die Mitglieder unter tosendem Beifall gleich zwei Meilensteine, als die Lizenzmannschaft als Zweitligameister die Rückkehr in das Oberhaus perfekt machte und die Schalker Fußballerinnen parallel den Aufstieg in die Regionalliga West sowie den Gewinn des Westfalenpokals feierten. Für die anstehenden Aufgaben in der Bundesliga forderte Sportvorstand Frank Baumann eine Höchstleistungskultur und kündigte an, dass Ayhan Tumani ab Oktober als neuer Sportlicher Leiter die konzeptionelle Entwicklung der Knappenschmiede vorantreiben wird.
Wirtschaftlich kündigte Matthias Tillmann unterdessen eine deutlich härtere Gangart gegenüber der DFL bei der zukünftigen Verteilung der TV-Gelder an. Schalke steht in der aktuellen TV-Tabelle auf dem vorletzten Platz der Bundesliga, weit hinter Konkurrenten wie Mainz, Hoffenheim oder Union Berlin, was einen finanziellen Nachteil von rund 25 Millionen Euro bedeutet. Tillmann kritisierte scharf, dass in anderen europäischen Topligen ein Viertel der Gelder nach dem allgemeinen Interesse und den Einschaltquoten verteilt wird, während es in der Bundesliga lediglich drei Prozent sind. Dies werde Schalke nicht länger akzeptieren und strebe für die nächste Ausschreibung eine Allianz mit anderen großen Traditionsvereinen an.
An der Heimatfront schreitet derweil der Umbau des Berger Felds voran, wo Ende Juni der Spatenstich für die neuen „Schalke-Terrassen“ erfolgte, deren Eröffnung für den kommenden Herbst geplant ist. Angesichts des 25-jährigen Jubiläums der VELTINS-Arena wird zudem in der Führungsetage intensiv darüber nachgedacht, den Kauf von Dauerkarten künftig exklusiv für Vereinsmitglieder vorzubehalten.
