Saltatio Mortis verwandeln das Amphitheater in einen Hexenkessel
Saltatio Mortis, Burgentour 2026

Foto: Jenny Musall

Das wechselhafte Wetter bremst die Mittelalter-Rocker im Ruhrgebiet nicht aus. Tausende Fans feiern den Auftakt der Burgentour im nassen, aber stimmungsvollen Gelsenkirchen.

Wetter durchwachsen, Stimmung gut. So lässt sich das erste Wochenende der Burgentour 2026 Staub und Schatten von Saltatio Mortis beschreiben. Am ersten Wochenende der Burgentour 2026 – Staub und Schatten, hat das Wetter den Musikern von Saltatio Mortis einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht. Zumindest im Gelsenkirchener Amphitheater ist der Petrus gnädig gewesen. „Da kommt noch was“, meint Schlagzeuger Jean während der Show, als es so scheint, als ob sich der Tag ohne einen weiteren Regenschauer verabschieden möchte. Das bescheidene Wetter tut der Stimmung allerdings keinen Abbruch. Vom ersten Moment an hat Sänger Alea die Menge im nicht ganz ausverkauften Amphitheater im Griff.

Staub und Schatten im Amphitheater Gelsenkirchen im Revier

Als bei den ersten Takten von „Ich habe keine Angst“ der Vorhang fällt, bricht das Publikum im Gelsenkirchener Amphitheater in Jubel aus. Schnell wird klar: Dieser Abend ist zum Vergessen von all den eigenen Baustellen im eigenen Leben. Stattdessen wird zusammen gefeiert. So wird gleich deutlich, dass die Setliste gar keine ruhige Nummer beinhaltet, sondern einfach nur nach vorne geht und so einfach nur gemeinsam gefeiert werden kann.

Nach Große Träume ergreift Sänger Alea zum ersten Mal an diesem Abend das Wort: „Ihr müsst das Ganze jetzt als Warm-up sehen. Lasst alles hinter euch und sprengt gemeinsam mit uns Lokis Ketten!“ Trotz des immer wieder regnerischen Wetters wird mitgesungen und geklatscht. Wahlweise auch gewunken. Im Laufe des Konzerts wird die Bühne umgebaut. „Jetzt geht es zurück zu den Anfängen, als die Bühne noch etwas kleiner ist“, eklärt Alea den aufblasbaren Steinbogen vor einer dunklen Wüstenkulisse.

Mittelalter Rock im Ruhrgebiet mit akustischen Klängen

Entsprechend kommen die restlichen fünf Bandmitglieder mit Akustikgitarre, einfacher Trommel, Dudelsack und Bass auf die Bühne. Danach geht es mit „Der Himmel muss warten“ weiter. Dudelsackspieler Elsi bekommt ebenfalls seinen Auftritt, als er „Was soll’n wir trinken?“ anstimmt. Hier singt das Publikum die Zeilen. Nach einer Weile ist die Bühne leer, der Vorhang bleibt, der aufblasbare Steinbogen verschwindet. Nun steht der Sänger, in einen Mantel gekleidet, alleine an der Front, während sich die weiteren Spielmänner im Hintergrund wieder an ihren Instrumenten platzieren.

Weiter geht es mit Pray to the hunter und Ich schrei’ deinen Namen in die Nacht. Hier fällt der Vorhang erneut. „Wollt ihr ein Drachenboot?“ fragt der Sänger und ja, das lässt sich das Publikum im Amphitheater nicht zweimal sagen. Beinahe hat das Boot ohne den Frontmann abgelegt: „Halt, ich muss auch noch einsteigen!“ Mit den Klängen von My mother told me und dem Refrain von Vallhalla calling (in Original von Sounds of Miracle) geht es einmal auf Händen getragen durch das Amphitheater.

Spektakuläre Pyroshow und große Emotionen im tiefen Westen

„Ich dachte ja, ihr tragt mich noch nach oben“, schmunzelt der Sänger, als das Boot angelegt hat, und weist gleich mit einem durchaus ernst gemeinten Augenzwinkern darauf hin, dass das eventuell beim nächsten Stopp noch passieren könnte. „Wisst ihr, was das Schönste an unseren Konzerten ist? Eltern bringen ihre Kinder mit oder Kinder bringen ihre Eltern mit,“ so der Fronter. Kurz darauf werden die Fans aufgefordert, all ihre Sorgen bei „all dem Scheiß, der gerade auf der Welt passiert“ zu vergessen. Mit „Denn uns gehört die Welt“ findet ein Song aus dem Jahr 2007 den Weg auf die sonst mit aus der aktuelleren Zeit gespickten Setliste.

Die beiden Tänzerinnen, die die Band erneut auf dieser Tour unterstützen, sind bei den unterschiedlichsten Songs mal mit Feuer, mal als Tanzpartnerin auf der Bühne. Bei Keine Rregeln, was Saltatio Mortis gemeinsam mit Finch aufgenommen hat, sind die beiden im 80er-Jahre-Workout-Outfit im Hintergrund zu sehen. Bei Für immer jung kommt es zum letzten Regenguss, der sich immer wieder über die Dauer des Konzerts ergießt. Und trotzdem bleibt bis zum Schluss die Stimmung erhalten.

Der traditionelle Spielmannsschwur zum Abschluss der Rockshow

Den ersten Reihen der Zuschauer an der Seite wird mit Pyrotechnik im wahrsten Sinne des Wortes eingeheizt. So endet ein Salatio-Mortis-Konzert traditionell mit dem Spielmannsschwur. Zuerst a cappella, dann steigt der Rest ein. Nach gut zwei Stunden ist ein Konzert einer Band zu Ende, die schon längst nicht mehr aus der deutschen Musikszene wegzudenken ist und sich im Laufe von inzwischen 26 (!) Jahren das eine oder andere Mal neu definiert hat. Die Spielfreude ist nach wie vor ungebrochen.