Schalker Gymnasium wird offizieller Erinnerungsort
Einweihung Erinnerungsorte-Tafelcopyright by : Gerd Kaemper

(c) Gerd Kaemper

Geschichtskurs erforscht die eigene Historie: Eine neue Tafel des Instituts für Stadtgeschichte beleuchtet die wechselvollen Stationen der Gelsenkirchener Traditionsschule.

Ein bedeutendes Jubiläum wirft seine Schatten voraus: Das Schalker Gymnasium in Gelsenkirchen feiert in diesem Jahr seinen 150. Gründungstag. Passend zu diesem historischen Meilenstein ist die traditionsreiche Bildungseinrichtung nun auch offiziell in das städtische Netz der Erinnerungsorte aufgenommen worden. Im Eingangsbereich der Schule wurde eine neue Informationstafel des Instituts für Stadtgeschichte (ISG) feierlich enthüllt, die ab sofort Schülern, Lehrkräften und Gästen die wechselvolle und bewegte Historie der „Schalker Penne“ näherbringt.

Von der Bürgerschule bis zur Liboriusstraße: Eine Reise durch die Zeit

Die feierliche Enthüllung der Tafel wurde gemeinschaftlich von Bezirksbürgermeisterin Marion Thielert und Schulleiterin Christiane Pohlig vorgenommen. Pohlig zeigte sich in ihrer Ansprache sichtlich erfreut über das gelungene Projekt und betonte den Wert der historischen Aufarbeitung direkt am Ort des Geschehens:

„Dabei geht es zum einen um die unterschiedlichen Standorte und Gebäude im Laufe der Zeit, um die Schüler und später auch Schülerinnen des Schalker Gymnasiums sowie um die Entwicklung des Unterrichts über die Jahre hinweg.“ — Christiane Pohlig, Schulleiterin

Das heutige Schalker Gymnasium blickt auf eine ereignisreiche Odyssee im Gelsenkirchener Stadtgebiet zurück. Die wichtigsten Stationen im Überblick:

  • 1876: Gründung der Schule als Höhere Bürgerschule.

  • 1910: Umzug in ein repräsentatives und prägendes Schulgebäude an der Schalker Straße.

  • 1944: Vollständige Zerstörung des Schulgebäudes durch schwere Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg.

  • Nachkriegszeit: Provisorische Zwischenstation an der Hammerschmidtstraße.

  • 1966: Bezug des heutigen, modernen Schulkomplexes an der Liboriusstraße.

Bezirksbürgermeisterin Marion Thielert hob in ihrem Grußwort zudem die besondere Symbolkraft der Institution hervor. Es sei schließlich für viele junge Menschen etwas ganz Spezielles, an einer Schule mit diesem traditionsreichen und weltberühmten Namen das Abitur abzulegen. Im Namen der Stadt Gelsenkirchen sprach sie all jenen ihren Dank aus, die die Schule über die Jahrzehnte geprägt haben und tagtäglich dafür sorgen, dass Jugendliche hier erfolgreich lernen und wachsen können.

Jugendliche erforschen die dunklen Kapitel der NS-Zeit

Das Besondere an der neuen Erinnerungstafel: Sie ist das Ergebnis echter, jugendlicher Forschungsarbeit. Die Schülerin Nelly Amalia Schüssler und ihr Mitschüler Robin Naujok präsentierten stellvertretend die Ergebnisse ihres Geschichtskurses, der die Historie der eigenen Schule im Archiv tiefgehend erforscht und den Text der Tafel maßgeblich erarbeitet hat.

Dabei scheuten sich die Jugendlichen nicht, die dunkelsten Kapitel der Schulgeschichte offenzulegen. Zwischen 1933 und 1945 wurde die Schule von den Nationalsozialisten in „Adolf-Hitler-Gymnasium“ umbenannt. Jüdische Mitschüler wurden in dieser Zeit systematisch ausgegrenzt und letztlich gezwungen, die Schule dauerhaft zu verlassen. „Die Schicksale der einzelnen Schüler waren bewegend“, resümierten die Jugendlichen sichtlich ergriffen von den Rechercheergebnissen.

Das Projekt „Erinnerungsorte“ wurde bereits im Jahr 2005 ins Leben gerufen und wird federführend vom Institut für Stadtgeschichte (ISG) koordiniert. Das Ziel der Initiative ist es, historisch bedeutsame Punkte im gesamten Gelsenkirchener Stadtraum durch informative Tafeln für die Öffentlichkeit sichtbar und greifbar zu machen. Mit der neuen Tafel am Schalker Gymnasium – einem reinen Gemeinschaftsprojekt der Schule und des ISG – wächst das historische Netzwerk in Gelsenkirchen auf mittlerweile über 200 Stationen an.