
Kirsten Schütz
(c) Die Autobahn GmbH des Bundes / Westfalen
Kirsten Schütz feiert 40. Dienstjubiläum bei der Autobahnmeisterei Gelsenkirchen
Als sie mit 17 Jahren ihre Ausbildung begann, war ihr Berufsbild eine nahezu reine Männerdomäne: Angebote als Floristin oder Fleischereifachverkäuferin schlug Kirsten Schütz damals aus, als sie die Zeitungsanzeige für eine Straßenwärterin in Gelsenkirchen entdeckte. Der Reiz des öffentlichen Dienstes gab den Ausschlag – eine Entscheidung, die bis heute trägt. Die mittlerweile 57-jährige Gelsenkirchenerin feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Dienstjubiläum auf den Autobahnen des Ruhrgebiets.
Der Einstieg in die handwerkliche Männerwelt verlief für die junge Frau unkompliziert, auch dank eines Meisters, der geschlossen hinter seinem Team stand. Dennoch betont Schütz, dass für die Arbeit auf den Revier-Autobahnen ein „dickes Fell“ unverzichtbar ist: Dienst bei Wind und Wetter, Einsätze an Sonn- und Feiertagen sowie eine robuste Portion Schlagfertigkeit gehören fest zum Berufsalltag. Diese Eigenschaft bewies sie einst auch im direkten Aufeinandertreffen mit der Landespolitik: Als der damalige NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement vor der Meisterei hielt und flapsig fragte, was das für ein Betrieb sei, konterte Schütz kurzerhand per Du – schließlich verhandele die Politik in Düsseldorf gerade die Zuständigkeiten des künftigen Landesbetriebs Straßen.NRW.
Eigenverantwortung als Streckenwartin
Nach ersten Berufsjahren und Einsätzen als Kolonnenführerin wechselte Kirsten Schütz in die Funktion der Streckenwartin. Eine Aufgabe, die ihr bis heute Freude bereitet: Mit einer festen Liste an Prüfstrecken ausgestattet, teilt sie sich ihre Kontrollfahrten weitgehend eigenständig ein. Ambitionen auf eine Fortbildung zur Technikerin oder Meisterin hatte sie daher nie – die Nähe zur Praxis und die Unabhängigkeit auf der Piste wogen stets schwerer.
Rückblickend auf vier Jahrzehnte hat sich das Arbeitsumfeld spürbar gewandelt. Während der Umgangston früher spürbar familiärer war und heute durch digitale Prozesse bisweilen anonymer wirkt, verzeichnet Schütz deutliche Fortschritte beim Arbeitsschutz. Strengere Sicherheitsvorschriften verbieten heute das lebensgefährliche Überqueren der Autobahnspuren, und die persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist passgenauer und vielfältiger geworden. Ein elementarer Fortschritt sei zudem die Etablierung psychologischer Betreuungsangebote für das Personal. Schwere Unfälle oder tragische Zwischenfälle – wie der plötzliche Herztod eines Kollegen im Mannschaftswagen neben ihr – hinterlassen Spuren, die professionell aufgearbeitet werden müssen.
Plädoyer für handwerkliche Frauenpower im Revier
Trotz ihrer tiefen Verwurzelung mit den Autobahnkilometern der Region bezeichnet sich Schütz keineswegs als typischer Gelsenkirchener Fußballfan. Ihren Ausgleich findet sie auf Reisen an Nord- und Ostsee, in den Süden oder beim Stricken im Kreis ihrer Familie.
Anderen Frauen kann sie den Schritt auf die Autobahnmeisterei uneingeschränkt empfehlen: Der Beruf sei abwechslungsreich, krisensicher und gegenüber vielen klassischen Branchen spürbar besser vergütet. Mit praktischem Geschick, Einsatzbereitschaft und Widerstandskraft biete das Handwerk auch heute noch ein starkes Fundament für eine erfüllte, langfristige Berufslaufbahn im Ruhrgebiet.
