
MJO in Halver
(c) Sebastian Sendlak
Zwei Konzerte, zwei Spielorte, ein durchdachtes Programm: Das Märkische Jugendsinfonieorchester hat am 10. und 11. Januar 2026 sein Winterprojekt abgeschlossen. Unter der Leitung von Chefdirigent Thomas Grote standen Werke auf dem Programm, die musikalischen Witz, politische Schärfe und klassische Form verbinden. Das Publikum erlebte ein konzentriertes Orchester auf solidem Niveau. Die Moderation ordnete das Gehörte ein und schlug Brücken zwischen Musik und Gegenwart.
Programm zwischen Witz, Politik und Klassik
Der Konzerttitel „Enfants Terribles“ war mehr als eine programmatische Klammer. Mit der Auswahl der Werke spannte das MJO einen Bogen durch unterschiedliche Epochen und Haltungen der Musikgeschichte. Den Auftakt bildete Leroy Andersons „The Irish Washerwoman“, präzise und federnd gespielt.
Leonard Bernsteins Ouvertüre „Slava! A Political Overture“ brachte politische Ironie und rhythmische Schärfe auf die Bühne. Es folgte die Ouvertüre zu Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“, klar strukturiert und mit sicherem Gespür für klassische Dramaturgie. Auch die Ouvertüre zu Gian Carlo Menottis Oper „Amelia al Ballo“ fügte sich stimmig ein.
Zum Abschluss setzte Charles Villiers Stanfords „Irish Rhapsody No. 1“ einen farbigen Akzent mit spätromantischem Klangbild und folkloristischen Anklängen.
Solist überzeugt im Haydn-Trompetenkonzert
Ein zentraler Moment der Konzerte war Joseph Haydns Trompetenkonzert in Es-Dur. Solist Edouard Barlerin gestaltete den Part technisch souverän und musikalisch differenziert. Der Dialog zwischen Soloinstrument und Orchester blieb ausgewogen, die Interpretation wirkte klar und ohne Überzeichnung.
Thomas Grote führte das Orchester ruhig und präzise durch das Programm. Seine langjährige Arbeit mit dem MJO war hörbar. Einsätze blieben kontrolliert, Übergänge transparent. Die Moderation übernahm Orchestermitglied Konstantin Martensmeier. Sie ordnete die Werke verständlich ein und gab Einblicke in Probenarbeit und Programmatik, ohne den Konzertfluss zu stören.
Ausbildung und Anspruch des Orchesters
Das Märkische Jugendsinfonieorchester steht unter der Trägerschaft des Märkischen Kreises. Seit seiner Gründung 1989 verfolgt es das Ziel, junge Musikerinnen und Musiker an große Orchesterliteratur heranzuführen. Die Arbeitsphasen finden zweimal jährlich statt und münden regelmäßig in Konzertreihen.
Die Winterkonzerte 2026 zeigten, dass dieser Ansatz trägt. Das Orchester präsentierte sich geschlossen, aufmerksam und mit erkennbarem musikalischem Anspruch.
