
Stadt Iserlohn, Oestricher Bach Stollen-2
Unter der Bundesstraße 7 in Iserlohn-Letmathe entsteht per bergmännischem Stollenvortrieb ein neuer Kanal. Die Sanierung des Oestricher Bachs liegt im Zeitplan.
Unter der Bundesstraße 7 in Iserlohn-Letmathe laufen derzeit anspruchsvolle Tiefbauarbeiten zur Neufassung des Oestricher Bachs. Die Sanierung der maroden Gewässerverrohrung erfolgt in traditioneller bergmännischer Bauweise tief unter der Erdoberfläche. Iserlohns Stadtbaurat Thorsten Grote und Tiefbau-Expertin Anne Feuerborn machten sich vor Ort ein Bild vom aktuellen Baufortschritt. Die zuständige Fachfirma meldet nach einer fordernden Anfangsphase einen zügigen und stabilen Vortrieb im Baugrund. Bis zum Jahresende soll die technisch aufwendige Maßnahme für rund eine Million Euro netto abgeschlossen sein.
Einsturzgefahr machte Neubau im Untergrund notwendig
Die Maßnahme wurde dringend erforderlich, nachdem im Herbst 2025 bei einer statischen Prüfung der alten Gewässerverrohrung ein Teil-Einsturz entdeckt worden war. Das bestehende Bruchsteinmauerwerk aus den 1920er-Jahren bestehe weitgehend aus Klinkern und Beton und sei akut einsturzgefährdet, erläutert Tiefbau-Ingenieurin Anne Feuerborn. Als unmittelbare Sofortmaßnahme zogen die Verantwortlichen daraufhin im Oktober 2025 ein Sicherungsrohr mit 30 Zentimetern Durchmesser ein. Im Mai begannen schließlich die eigentlichen Hauptarbeiten für den neuen Stollen direkt am Ufer der Lenne. Die niedrigen Pegelstände infolge der vorangegangenen Trockenperiode erleichterten den Baustart im Flussbereich spürbar.
Die Bauleiter Björn Franke, Steffen Grunwald und Klaus Bruns von der ausführenden Baufirma Echterhoff heben hervor, dass die Arbeiten nach der schwierigen Startphase gut vorankämen. Auf engstem Raum treiben die Mineure den Stollen seit dem 11. Mai Meter für Meter in präziser Handarbeit voran. Von den insgesamt geplanten 29 Metern Gesamtlänge sind mittlerweile bereits zehn Meter erfolgreich fertiggestellt. Die am Flussufer angelegte Baugrube dient dabei als zentraler Zugang für Mensch und Material. Trotz der beengten Platzverhältnisse arbeitet das Team mit einer kompakten Baustelleneinrichtung, um die Eingriffe in die Umgebung möglichst gering zu halten.
Traditionelle Bergbautechnik sichert den Vortrieb ab
Im Inneren des Tunnels setzt das Bauteam auf eine klassische bergmännische Sicherungstechnik, die heute im Tiefbau nur noch selten zur Anwendung kommt. Anne Feuerborn führt aus, dass die Stollensicherung aus einem System aus Schwellen, statisch bemessenen Stahlbögen und Holzverzug bestehe. Die einzelnen Holzelemente bringen die Mineure in Handarbeit zwischen dem Gebirge und den Stahlbögen ein, um den Baugrund unmittelbar nach dem Ausbruch abzufangen. Ein elektrisch betriebener Kleinbagger unterstützt die Arbeiter direkt vor Ort beim behutsamen Ausbau des alten Betons.
Den anfallenden Aushub und Betonbruch transportieren Loren aus dem Stollen, bevor ein Baukran das Material über den Schacht aus der Grube hebt. Das alte Kastenprofil weicht schrittweise einem modernen Kreisprofil aus glasfaserverstärktem Kunststoff, was vorab eng mit der Unteren Wasserbehörde abgestimmt wurde. Wegen der Arbeiten ist die Bundesstraße 7 am Abzweig zur Brinkhofstraße derzeit einspurig mit Ampelregelung befahrbar, während der Lenneradweg voll gesperrt bleibt. Die Gesamtkosten für das anspruchsvolle Infrastrukturprojekt beziffert die Stadt Iserlohn auf netto rund eine Million Euro.
