
Braumanufaktur Tafelrunde
(c) Hendrik Klein
Zwölf Jahre nach dem Aus kehrt das „Iserlohner Pilsener“ zurück ins Grüner Tal. Die ersten 1.200 Liter des Traditionsbiers sind bereits gebraut.
Das traditionsreiche „Iserlohner Pilsener“ erlebt nach jahrelanger Abwesenheit seine Wiedergeburt in der Waldstadt. Eine lokale Initiative um den 41-jährigen Marketing-Fachmann Daniel Engel hat die bekannte Biermarke nach dem Auslaufen der Schutzrechte neu aufleben lassen. Gebraut wird der traditionsreiche Gerstensaft ab sofort wieder in unmittelbarer Nähe des historischen Standorts im Grüner Tal. Die ersten 1.200 Liter wurden bereits erfolgreich eingebraut und einer ersten internen Verkostung unterzogen. Bereits Anfang September soll das Bier auf dem Letmather Brückenfest erstmals wieder öffentlich ausgeschenkt werden.
Gesicherte Markenrechte und Sudkessel im Grüner Tal
Den Grundstein für das Comeback legte Engel bereits im September 2025, als er sich die ausgelaufenen Markenrechte und das Originalrezept sicherte. Er habe den Termin seit Frühjahr 2020 im Blick gehabt und sich das Patent schließlich nachts per Mausklick gesichert, berichtet der Initiator. Für das Projekt gewann er unter anderem den Letmather Werbegemeinschaftsvorsitzenden Paul Nowak sowie die Musiker Andy Schade und Michael Grimm. Die Rechte seien nun wieder dort, wo sie hingehörten – in der heimischen Region.
Die handwerkliche Umsetzung übernimmt die Waldstadt-Braumanufaktur unter der Leitung von Devin Gerdes und Daniel Jürck. Sie brauen den Gerstensaft nur rund 300 Meter Luftlinie von der ehemaligen, 2014 geschlossenen Braustätte entfernt. Nach einer erfolgreichen Premiere im kleinen Kreis folgt nun ein zweiter Testlauf mit ehemaligen Mitarbeitern und Brauern, um das Geschmacksprofil weiter zu verfeinern. Braumeister Devin Gerdes betont, man wolle ehrliche Kritik einholen, um mit einem möglichst originalgetreuen Produkt an den Markt zu gehen.
Vom regionalen Kulturgut zum Neustart im Sixpack
Die Historie des Iserlohner Bieres reicht bis in das Jahr 1901 zurück und prägte über Jahrzehnte die regionale Identität. Nach wirtschaftlichen Turbulenzen, Rettungsaktionen durch Bürgerschaft und Politik sowie mehreren Eigentümerwechseln endete die Produktion im Frühjahr 2014 mit der Insolvenz. Später lagen die Markenrechte zeitweise bei Investoren in Übersee. Umso größer ist nun die Erleichterung bei den Initiatoren, das Braugut wieder vollständig in heimische Hände überführt zu haben.
Daniel Engel stellt klar, dass man nicht mit industriellen Großkonzernen konkurrieren könne, sondern die Marke Schritt für Schritt von unten aufbauen wolle. Das Bier besitze neben den Iserlohn Roosters einen unschätzbaren emotionalen Wert als Imageträger für die Stadt. Der reguläre Verkauf startet zunächst über den örtlichen Lebensmittelhandel in praktischen Sixpacks, ehe später Kastenware folgen soll. Die offizielle Publikumspremiere findet vom 4. bis 7. September auf dem Letmather Brückenfest statt, wo Besucher das neue Pils am Zapfhahn probieren können.
