Sozialkonferenz Ruhr 2025
RVR-Regionaldirektor Garrelt Duin (links) und Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, auf der Sozialkonferenz Ruhr 2025.

© Oberhaeuser

Migration aus Südosteuropa im Fokus der Region

Die Sozialkonferenz Ruhr 2025 widmete sich am 13. November in Oberhausen den komplexen Herausforderungen der südosteuropäischen Migration im Ruhrgebiet. Auf Einladung des Regionalverbands Ruhr (RVR) diskutierten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kommunen unter dem Titel „Integration und Arbeit“, wie die Arbeitsmarktintegration und die gesellschaftliche Teilhabe dieser wachsenden Zuwanderungsgruppe gelingen können.

Migration als dynamischer Prozess und die Niedriglohnschwelle

Das Ruhrgebiet, seit 200 Jahren ein Zentrum der Einwanderung, erlebt durch die EU-Osterweiterung eine neue Dynamik. Dr. Thorsten Sehlee vom Institut für Arbeit und Qualifizierung der Universität Duisburg-Essen fasste zusammen: „Arbeitskräfte aus Südosteuropa sind in vielen Branchen unverzichtbar. Doch Integration gelingt nicht von allein – sie braucht gezielte Unterstützung von allen politischen Ebenen und langfristige Strategien.“

Dr. Christian Schramm (IU Internationale Hochschule Essen) präsentierte neue Forschungsergebnisse zur Migration aus Rumänien und Bulgarien. Die Studie verdeutlicht die Komplexität der Zuwanderung, die oft von mehrfachen Wanderungen, Rückkehr oder Weiterwanderung geprägt ist. Da nur etwa die Hälfte der Befragten dauerhaft im Ruhrgebiet bleiben will, so Schramm, müsse Integration als dynamischer Prozess verstanden und kommunale Strukturen darauf ausgerichtet werden.

Obwohl sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus Rumänien und Bulgarien seit 2013 verzehnfacht hat, arbeitet mehr als die Hälfte unterhalb der Niedriglohnschwelle. Dies zeigt, dass Arbeitsmarktintegration nicht zwangsläufig gesellschaftliche Teilhabe bedeutet und die Menschen trotz Lohnarbeit weiterhin von sozialen Leistungen abhängig sind. Sehlee betonte: „Die europäische Personenfreizügigkeit stabilisiert die Region wirtschaftlich – sie erfordert aber sozialpolitische Begleitung.“

RVR fordert Verstetigung der Prozesse

RVR-Regionaldirektor Garrelt Duin fasste die politischen Anforderungen zusammen. Er betonte, dass erfolgreiche Integration Vertrauen, Kenntnis um die Komplexität der Migration und vor allem mehr Kontinuität in der Arbeit der Akteure vor Ort braucht. Multiplen Herausforderungen – wie Armut, prekäre Wohnsituationen oder schlechte Gesundheitsvorsorge – begegne man am besten nicht mit immer neuen Programmen, sondern durch die Verstetigung der bereits erfolgreich angelaufenen Prozesse und Strukturen. Praxisbeispiele aus Hagen und Dortmund zeigten, wie Städte mit integrierter Sozialplanung und lokaler Kooperation diesen Ansatz erfolgreich umsetzen.