
HHP7-5
Henrichshütte / Hattingen
Besondere Ehre für das gelebte Miteinander in Nordrhein-Westfalen: Im Rahmen seiner Initiative „Ortszeit Deutschland“ zeichnet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag, 24. September 2026, elf Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus.
Die feierliche Überreichung an fünf Frauen und sechs Männer findet an einem der traditionsreichsten Orte der Industriekultur statt – im LWL-Museum Henrichshütte in Hattingen.
Mit der „Ortszeit Hattingen“, der mittlerweile 20. Reise dieses Formats, verlegt das deutsche Staatsoberhaupt seinen Amtssitz für drei Tage gezielt in die Region, um abseits diplomatischer Routinen den direkten Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern zu suchen. Fester Bestandteil dieser regionalen Aufenthalte ist die Würdigung von Persönlichkeiten, die sich seit vielen Jahren in herausragender Weise uneigennützig für das Gemeinwesen einsetzen. Das Spektrum der diesjährigen Auszeichnungen reicht von Kultur, Erinnerungsarbeit und Katastrophenschutz über Jugend- und humanitäre Auslandshilfe bis hin zur gelebten Demokratie auf kommunaler und Landesebene.
Kultur und Erinnerungskultur im Revier stark vertreten
Einen wesentlichen Schwerpunkt der Auszeichnungen bilden Akteure, die das kulturelle Erbe und das gesellschaftliche Gesicht des Ruhrgebiets über Jahrzehnte geformt haben. Aus Oberhausen wird die Kabarettistin und Regisseurin Gerburg Jahnke geehrt. Als Pionierin und „Grand Dame“ der deutschen Kleinkunst – unvergessen im Duo „Missfits“, mit der WDR-Sendung „Ladies Night“ sowie ihrer Bühnenreihe „Frau Jahnke hat eingeladen“ – bahnte sie Generationen von Frauen den Weg in die humoristische Öffentlichkeit und setzte Maßstäbe für weibliche Selbstbestimmung im Kulturbetrieb.
Die wissenschaftliche und museale Aufarbeitung der Industriekultur würdigt der Bundespräsident mit der Auszeichnung von Prof. Heinrich Theodor Grütter aus Essen. Der Historiker und Kulturwissenschaftler leitete bis zu seinem Ruhestand das Ruhr Museum auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein, gehört seit 2017 dem Vorstand der Stiftung Zollverein an und prägte das Haus der Geschichte NRW maßgeblich mit. Durch seine Arbeit etablierte sich Zollverein als weltweit geschätztes Symbol des industriellen Strukturwandels. Ebenfalls im Fokus steht Robert Laube aus Hattingen, der das LWL-Museum Henrichshütte seit 28 Jahren leitet und die ehemalige Hütte zu einem lebendigen Ort für gesellschaftlichen Diskurs und internationale Produktionen entwickelte, flankiert von jahrzehntelangem Engagement in Kommunalpolitik und Sportförderung.
Einsatz für Demokratie, Toleranz und Nächstenliebe
Auf politischer und religiöser Ebene ragen zwei Persönlichkeiten aus Bochum heraus. Die frühere Landtagspräsidentin Carina Gödecke wird für ihren jahrzehntelangen Einsatz für die parlamentarische Demokratie in Nordrhein-Westfalen sowie ihr breites ehrenamtliches Engagement – unter anderem für das Kinderhospizwesen und die Kriegsgräberfürsorge – ausgezeichnet. Ebenfalls gewürdigt wird Grigory Rabinovich, der seit 2002 als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen vorsteht. Neben dem Bau der Bochumer Synagoge im Jahr 2007 setzte er entscheidende Impulse für die Sichtbarkeit gegenwärtigen jüdischen Lebens, den interreligiösen Dialog und gegenseitigen Respekt in den Stadtgesellschaften.
Aus Sprockhövel erhält Brigitte Altenhein das Verdienstkreuz. Als langjährige Ratsfrau und Stadtälteste trieb sie über Jahrzehnte Umweltpolitik und Gleichberechtigung voran und engagiert sich als Mitgründerin des Fördervereins LeseZeichen! für die frühe Lesekompetenz von Grundschulkindern.
Lebensretter, humanitäre Hilfe und Nachwuchsförderung
Auch der selbstlose Dienst am Nächsten in akuten Krisen und im globalen Kontext erfährt hohe Anerkennung. Lukas Ritgens aus Eschweiler, Rettungsassistent und langjähriger Verbandsführer bei den Maltesern, trug während der verheerenden Flutkatastrophe 2021 entscheidende Verantwortung und koordinierte als Organisatorischer Leiter des Rettungsdienstes unter extremen Bedingungen die vollständige Evakuierung von fast 300 Patientinnen und Patienten des St.-Antonius-Hospitals.
Für internationales Engagement steht das Ehepaar Beatrix und Johannes Küpperfahrenberg aus Hattingen. Mit der Afrika-Hilfe-Stiftung realisieren sie in Ruanda verlässliche Hilfsprojekte für Vollwaisen, Kriegsversehrte und Menschen in extremer Not, insbesondere durch den Aufbau selbsttragender Kinderfamilien mit Schul- und Ausbildungsförderung.
Abgerundet wird der Kreis der Ordensträger durch zwei Ikonen der regionalen Vereinsarbeit: Johannes Tüller aus Hattingen, der sich seit über 60 Jahren um das Feuerwehrwesen und den Aufbau von Jugendabteilungen verdient gemacht hat, sowie Sandra Hollmann aus Nettetal, die seit über vier Jahrzehnten die Pfadfinderbewegung lebt, generationsübergreifende Gruppen ins Leben rief und junge Menschen an soziale Verantwortung und Inklusion heranführt.
