Fünf Jahre Autobahn GmbH in Bochum
A43 Emschertalbrückenzug

(c) Autobahn GmbH

Die Brücken im östlichen Ruhrgebiet fordern die Autobahn GmbH des Bundes in Bochum tagtäglich heraus, genau wie im gesamten restlichen Bundesgebiet. Dennoch blickt Kathrin Heffe, Leiterin der Außenstelle Bochum der Autobahn Westfalen, positiv in die Zukunft. Neue Verfahren halten die Bauzeiten kurz, und man befinde sich auf einem guten Weg. Gemeinsam mit ihrem vierköpfigen Führungsteam zieht die Ingenieurin eine Bilanz über die ersten fünf Jahre der Autobahn GmbH im östlichen Ruhrgebiet.

Schnelligkeit an der A40 und Großprojekte an der A43

Als einen der zentralen Erfolge der vergangenen Jahre nennt Heffe den schnellen Neubau der A40-Schlachthofbrücke bei Bochum. Für die vollständige Erneuerung musste die Autobahn komplett gesperrt werden. Das Team realisierte das Projekt in einer Zeit von nur 18 Wochen. Den Ingenieuren gelang es, viele notwendige Arbeiten bereits unter dem alten Bauwerk auszuführen, ohne dass der fließende Verkehr beeinträchtigt wurde. Ermöglicht wurde dies durch die Gegebenheiten vor Ort, kombiniert mit Know-How und kreativem Denken. Während Pendler vor allem die eigentliche Baustelle wahrnehmen, läuft die jahrelange, unsichtbare Vorarbeit und Planung im Hintergrund ab, die die Basis für jedes erfolgreiche Projekt bildet.

Ein aktueller Schwerpunkt und das größte Bauprojekt der Außenstelle ist der sechsstreifige Ausbau der A43 von Marl bis Witten. Auf der kilometerlangen Baustelle bei Herne befindet sich derzeit eine Schrankenanlage, die Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen automatisch aussiebt und ableitet. Laut der zuständigen Projektverantwortlichen Carola Ziebs ist diese Anlage zwingend notwendig, um die Brücke über den Rhein-Herne-Kanal bis zum anstehenden Neubau weiter in Betrieb zu halten. Genau genommen müssen hier drei Großbrücken gemeinsam gebaut werden. Für April 2027 verspricht Ziebs die Fertigstellung der ersten Brückenhälfte, womit auch die Schrankenanlage abgebaut werden kann.

Südlich davon, im Kreuz Herne, setzt das Team auf eine zeitsparende Schnellbauweise. Vier Einzelbauwerke werden mit Fertigteilen vorkonstruiert und vor Ort zusammengesetzt. Die erste dieser Brücken entstand zwischen Mai und August 2025. Bis zum Herbst dieses Jahres sollen alle Brücken stehen – fertiggestellt in lediglich einem Drittel der üblichen Bauzeit. Zuvor realisierte das Team bereits den neuen Tunnel Baukau im Kreuz Herne, der unter einer Bahnstrecke verläuft, die sich während der gesamten Bauphase keinen Millimeter bewegen durfte.

Herausforderungen an der A42 und Pflege des Bestandsnetzes

Auch an der A42 bei Bottrop wurde mittlerweile eine Schrankenanlage installiert, da die dortige Brücke über den Rhein-Herne-Kanal dem schweren Lkw-Verkehr nicht mehr standhält. Die Vorbereitungen für den Neubau laufen auf Hochtouren. Die Außenstelle hatte das Bauwerk ohnehin für den anstehenden sechsstreifigen Ausbau der A42 im Blick. Als neue Schäden auftraten, musste das Team schnell reagieren und errichtete die Schrankenanlage in kurzer Zeit. Derzeit wird die Autobahn erweitert, was die Voraussetzung für den Brückenneubau darstellt. Eine Besonderheit im Ruhrgebiet ist dabei die enorme Nähe zu den Wohnhäusern der Anwohner, mit der die Bochumer Planer umgehen müssen.

Neben den Brücken stand in den ersten fünf Jahren der Erhalt der Fahrbahnen im Fokus. Dazu gehörten Großbaustellen wie die grundlegende Erneuerung der A2 zwischen Bottrop und Oberhausen sowie kleinere Arbeitsstellen. Letztere werden von den vier angeschlossenen Autobahnmeistereien Dorsten, Gelsenkirchen, Kamen und Recklinghausen betreut. Das Personal betreut ein vielseitiges Streckennetz: von den stark frequentierten Pendlerautobahnen A40, A42, A43 und A448 über die Transitstrecken A1, A2 und A44 bei Unna bis hin zur Reiseroute A31, dem sogenannten „Ostfriesenspieß“.

Modernisierung und Personalsuche für die Zukunft

Die Meistereien werden kontinuierlich modernisiert. Neben neuen Fahrzeugen und modernen Aufpralldämpfern wie dem System „Rambo“ werden auch die Gebäude zukunftssicher aufgestellt. In der Meisterei Gelsenkirchen wurde beispielsweise ein neues Sozialgebäude errichtet, das zeitgemäß mit einer Solaranlage, Solarthermie und Erdwärme ausgestattet ist. Auf den Strecken selbst wird verstärkt auf intelligente Verkehrssysteme wie C-ITS gesetzt, die die Fahrzeuge der Meisterei mit den Fahrzeugen der Verkehrsteilnehmer verknüpfen, um rechtzeitig vor Gefahren zu warnen.

Für die Umsetzung all dieser Projekte ist die Außenstelle auf Fachkräfte angewiesen. Der Standort Bochum bietet hierbei den Vorteil, für die Gewinnung von Ingenieuren auf nahe Hochschulen wie die Ruhr-Universität Bochum zurückgreifen zu können. Auch für die Meistereien findet sich dank der umliegenden Städte Personal. Da sich jedoch erfahrene Mitarbeitende in den Ruhestand verabschieden, sucht die Außenstelle weiterhin aktiv nach neuen Ingenieurinnen und Ingenieuren, die die Infrastruktur im östlichen Ruhrgebiet mitgestalten möchten.

Infobox: Die Außenstelle Bochum in Zahlen

Bereich Anzahl / Umfang
Streckennetz 320 Autobahnkilometer
Anschlussstellen 81
Autobahnkreuze und -dreiecke 14
Tunnel 4