
Foto: Marius Becker / www.marius-becker.com
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Nordrhein-Westfalen informiert ab sofort breit über die geplante Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Im April 2026 entscheiden die Bürgerinnen und Bürger in 17 Städten per Ratsbürgerentscheid.
Die Region KölnRheinRuhr treibt ihre Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele weiter voran. Am 19. Januar 2026 ist eine landesweite Informations- und Beteiligungskampagne gestartet. Sie richtet sich an die Bevölkerung in 17 beteiligten Kommunen. Am 19. April 2026 sollen die Bürgerinnen und Bürger über eine Beteiligung ihrer Städte abstimmen. Rund vier Millionen Menschen sind wahlberechtigt.
Nordrhein-Westfalen setzt bei der Olympia-Bewerbung konsequent auf Bürgerbeteiligung. In allen beteiligten Kommunen finden zeitgleich Ratsbürgerentscheide statt. Abgestimmt wird ausschließlich per Briefwahl. Stimmberechtigt sind EU-Bürgerinnen und -bürger ab 16 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in der jeweiligen Stadt leben.
Die Entscheidung ist an gesetzlich festgelegte Quoren gebunden. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern müssen mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten mit Ja oder Nein votieren, damit das Ergebnis bindend ist. In kleineren Kommunen liegt das Quorum bei bis zu 20 Prozent. Erst bei Erreichen dieser Schwelle entfaltet das Ergebnis rechtliche Wirkung.

Start der Kampagne drei Monate vor der Abstimmung
Mit dem Kampagnenstart exakt drei Monate vor den Ratsbürgerentscheiden soll Zeit für Information und Diskussion geschaffen werden. Träger der Kampagne sind die 17 beteiligten Kommunen gemeinsam mit der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Beteiligt sind zudem der Landessportbund NRW, der Behinderten- und Rehabilitationssportverband NRW sowie Sportfachverbände.
Ziel ist es, die Bevölkerung über Inhalte, Chancen und Rahmenbedingungen der Bewerbung zu informieren. Die Kampagne soll nicht nur werben, sondern auch Transparenz schaffen. Nordrhein-Westfalen betont damit den Anspruch, eine Bewerbung nur mit Zustimmung der Bevölkerung weiterzuverfolgen.
Ein Unterstützerkreis aus bekannten Persönlichkeiten begleitet die Bewerbung öffentlich. Dazu zählen unter anderem Para-Leichtathlet Markus Rehm, Olympiasiegerin und IOC-Mitglied Britta Heidemann, Dressurreiterin Isabell Werth, Fußball-Weltmeister Christoph Kramer, der Vorstandsvorsitzende der Deutz AG und frühere Olympiateilnehmer Sebastian Schulte sowie der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück.
Sie sollen ihre Erfahrungen aus Sport, Wirtschaft und öffentlichem Leben einbringen. Der Unterstützerkreis steht dabei nicht für operative Entscheidungen, sondern für öffentliche Kommunikation und Einordnung der Bewerbung.
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Nachhaltigkeit und kurze Wege im Mittelpunkt
Das vorgelegte Konzept setzt auf die Nutzung vorhandener oder temporärer Sportstätten. Neue dauerhafte Großbauten sind nicht vorgesehen. Nach Angaben der Initiatoren sollen so langfristige Folgekosten vermieden werden. Das Olympische und Paralympische Dorf ist modular geplant und soll nach den Spielen als neues Stadtquartier weitergenutzt werden.
Ein zentrales Element des Konzepts ist die räumliche Nähe der Austragungsorte. Ein Großteil der Athletinnen und Athleten soll in einem gemeinsamen Dorf untergebracht werden. Die Wege zwischen Unterkünften und Wettkampfstätten sollen kurz bleiben. Austragungsorte sind unter anderem Städte im Ruhrgebiet, im Rheinland sowie einzelne Standorte darüber hinaus.
Die geplanten Wettkämpfe verteilen sich auf zahlreiche Kommunen. Fußballspiele sind in mehreren Städten vorgesehen. Weitere Sportarten reichen von Leichtathletik, Schwimmen und Turnen über Radsport, Rudern und Kanu bis hin zu paralympischen Disziplinen. Ziel ist es, vorhandene Sportinfrastruktur einzubinden und regionale Erfahrung mit Großveranstaltungen zu nutzen.
Nordrhein-Westfalen verweist dabei auf frühere internationale Sportereignisse, die in den vergangenen Jahren in der Region ausgetragen wurden. Diese Erfahrungen sollen in die Organisation möglicher Olympischer und Paralympischer Spiele einfließen.
Nationale Entscheidung im Herbst 2026
Unabhängig vom Ausgang der Ratsbürgerentscheide fällt die Entscheidung über eine deutsche Bewerbung auf Bundesebene. Der Deutsche Olympische Sportbund plant für den 26. September 2026 eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Dort soll festgelegt werden, ob und mit welchem Konzept Deutschland international antritt.
Voraussetzung für eine Bewerbung der Region KölnRheinRuhr ist jedoch ein positives Votum in den beteiligten Städten. Erst danach kann das Konzept offiziell weiterverfolgt werden.
Bis zum 19. April 2026 bleibt Zeit für öffentliche Debatten, Informationsveranstaltungen und Diskussionen in den Kommunen. Die Kampagne soll diesen Prozess begleiten. Nordrhein-Westfalen hebt hervor, dass eine Bewerbung nur dann weitergeführt wird, wenn sie von einer breiten Mehrheit getragen wird.
Ob KölnRheinRuhr den nächsten Schritt Richtung Olympische und Paralympische Spiele geht, liegt damit zunächst in der Hand der Bürgerinnen und Bürger.
