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Rathaus Unna
Die Kommunalwahl 2025 in Nordrhein-Westfalen zeigt einen leichten Rückgang des Frauenanteils in Stadt- und Kreistagen. Experten warnen vor langfristigen Folgen ohne Wahlrechtsreform.
Eine Studie der Ruhr-Universität untersucht den Frauenanteil in nordrhein-westfälischen Stadt- und Kreistagen nach der Kommunalwahl 2025. Der Anteil weiblicher Mandatsträger sank auf 33,2 Prozent. Besonders betroffen sind Kommunen, in denen die Grünen Sitze verloren haben. Parteipolitische Quoten wirken sich deutlich auf die Zusammensetzung der Räte aus. Die Forschenden empfehlen eine kommunale Wahlrechtsreform und gezielte Förderprogramme.
Zwischen 2004 und 2025 schwankte der Frauenanteil in NRW zwischen 28,8 und 34,4 Prozent. Nach einem Anstieg 2020 ist der Anteil nun wieder rückläufig. Kreisfreie Städte liegen im Durchschnitt drei Prozentpunkte über den Landkreisen. Köln, Bonn und Münster überschreiten die 40-Prozent-Marke.
Unterschiede zwischen Parteien
Grüne Ratsfraktionen erreichen mit 55 Prozent den höchsten Frauenanteil. LINKE folgen mit 49,8 Prozent, SPD mit 40,2 Prozent. CDU, FDP und AfD liegen zwischen 20 und 28 Prozent. Die Zusammensetzung der Räte hängt damit stark vom Wahlergebnis der Parteien ab.
Laut Forschendem Team schrecken politische Debatten und rauer werdende Streitkultur Frauen vom Engagement ab. Kommunen, in denen Grüne Sitze verloren haben, verzeichnen tendenziell weniger weibliche Mandatsträger, etwa in Aachen oder Leverkusen.
Eine umfassende kommunale Wahlrechtsreform, insbesondere die Einführung eines reinen Verhältniswahlrechts, könnte den Frauenanteil langfristig erhöhen. Zudem seien Programme wie „Be the Change. Frauen für Demokratie“ notwendig, um politisch interessierte Frauen zu fördern und über Legislaturperioden hinweg zu begleiten. Hochschulen könnten zudem als Nachwuchsschmiede dienen, etwa über Initiativen wie „Misch dich ein, mach Politik vor Ort“.
Forschungsteam
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Dr. Beate von Miquel, Marie Jahoda Zentrum für internationale Geschlechterforschung, Projektleiterin „Be the Change“
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Dr. David Gehne, Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR)
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Hanna Schömann, wissenschaftliche Mitarbeiterin ZEFIR und Fern-Universität Hagen
