
Rot Weiss Essen Trainer Uwe Koschinat
(c) Sebastian Sendlak
Nach einem packenden Krimi bei der SpVgg Greuther Fürth erleidet RWE den ultimativen sportlichen Herzschmerz. Die Kleeblätter drehen das Hinspielergebnis, während Essen an den eigenen Nerven und am Aluminium scheitert.
Der Traum von der 2. Bundesliga ist für Rot-Weiss Essen am späten Dienstagabend auf tragische Weise geplatzt. Nach dem vielumjubelten 1:0-Heimsieg im Relegations-Hinspiel an der Hafenstraße musste sich das Team von Trainer Uwe Koschinat im stimmungsvollen Sportpark Ronhof der SpVgg Greuther Fürth mit 0:2 (0:1) geschlagen geben. Während das „Kleeblatt“ den Klassenerhalt im Unterhaus feiert, bleibt RWE der bittere Gang zurück in die 3. Liga.
Erste Halbzeit: Swajkowski vergibt die Riesenchance, Futkeu sticht zu
Die Essener reisten mit großem Selbstbewusstsein und einer reifen Spielanlage nach Franken. In der 10. Minute hatte der mitgereiste RWE-Anhang den Torschrei bereits auf den Lippen: Swajkowski legte sich den Ball stark an einem Fürther vorbei und tauchte völlig frei vor Heim-Keeper Prüfrock auf, doch dem Mittelfeldmann versagten die Nerven – er schoss den Schlussmann humorlos an. Eine vergebene Großchance, der man an der Hafenstraße noch lange hinterherweinen wird.
Fürth investierte in der Folge deutlich mehr in die Tiefe als im Hinspiel. In der 19. Minute hatte RWE Glück, als eine Halbfeldflanke von Dehm an die Latte klatschte. Zehn Minuten später bebte der Ronhof das erste Mal: Fürth-Kapitän Branimir Hrgota dribbelte sich fast ohne Gegenwehr in den Strafraum. Nach einem Gestocher über Klaus landete die Kugel beim Ex-Essener Noel Futkeu, der das Leder aus kurzer Distanz zum 1:0 über die Linie drückte (29.). Das Hinspielergebnis war egalisiert. Kurz vor der Pause bewahrte RWE-Keeper Jakob Golz sein Team mit zwei Glanzparaden gegen Klaus und Bansé vor einem höheren Rückstand.
Kalte Dusche nach dem Seitenwechsel und VAR-Pech
Der zweite Durchgang begann für die Rot-Weissen mit einer kalten Dusche. Kaum zwei Minuten waren gespielt, da bekam Branimir Hrgota am rechten Strafraumeck viel zu viel Geleitschutz, legte sich den Ball zurecht und schlenzte ihn unhaltbar unten links zum 2:0 in die Maschen (47.). Die Essener Hintermannschaft zeigte in dieser Szene eine kollektiv katastrophale Abwehrleistung.
RWE steckte jedoch nicht auf und schien in der 68. Minute aus dem Nichts zurückzuschlagen: Nach einer butterweichen Flanke von Hofmann lief Cuber Potocnik ein und versenkte den Ball im Netz. Die Essener Kurve explodierte – doch der Jubel wurde jäh im Keim erstickt. Schiedsrichter Schröder schaltete den VAR ein und nahm den Treffer wegen einer hauchdünnen Abseitsstellung richtigerweise zurück (70.).
Dramatische Schlussphase: Der Ball will nicht ins Tor
Uwe Koschinat warf in den letzten 20 Minuten alles nach vorne und brachte unter anderem die Offensivkräfte Janssen und Obuz. RWE schnürte die Gastgeber nun phasenweise tief in deren Hälfte ein, agierte beim finalen Pass jedoch oft zu schlampig. In der 82. Minute folgte die ungläubigste Szene des Abends: Nach einer Flanke köpfte der eingewechselte Abiama den Ball an den Pfosten, der Abpraller landete direkt vor den Füßen von Müsel, dessen anschließender Flugkopfball den bereits geschlagenen Prüfrock auf der Linie traf. Der Essener Torabschluss schien an diesem Abend wie verflucht.
In einer hitzigen, von Rudelbildungen und Fürther Zeitspiel geprägten neunminütigen Nachspielzeit warf RWE sogar Torwart Golz bei einer letzten Ecke mit nach vorne – vergebens. Am Ende besiegelte der Schlusspfiff das hauchdünne Scheitern des Drittligisten. Während die enttäuschten Spieler fassungslos auf dem Rasen zusammensackten, zeigten die RWE-Fans Größe: Sie hoben trotz des immensen Schmerzes stolz ihre Schals und verabschiedeten ihre Mannschaft mit lautstarken Gesängen in die Sommerpause.
