
Luftbild über die Grabungsfläche zu Anfang November 2025, Blickrichtung nach Osten. Im Hintergrund ist der moderne Friedhof und rechts mittig am Bildrand der „Russenfriedhof“ zu erkennen.
Foto: EggensteinExca
In Werne sind bei archäologischen Untersuchungen zahlreiche Brandgräber aus der frühen römischen Kaiserzeit freigelegt worden. Die Funde liegen in unmittelbarer Nähe des heutigen Friedhofs am Südring. Insgesamt wurden rund 30 Bestattungen und Grabreste dokumentiert. Die Ausgrabungen sind inzwischen abgeschlossen. Sie liefern neue Erkenntnisse zur frühen Besiedlungsgeschichte der Region.
Archäolog:innen haben in Werne ein Brandgräberfeld mit einem Alter von knapp 2.000 Jahren untersucht. Die Grabungen fanden im Vorfeld eines geplanten Wohnbauprojekts statt. Die Bestattungen lagen locker verteilt auf einer größeren Fläche. Unterschiedliche Totenriten deuten auf vielfältige Bestattungsformen hin. Die Funde werden nun wissenschaftlich ausgewertet.
Anlass für die Untersuchungen war die Planung des neuen „Wohnquartiers Südring“. Bereits 2024 hatten Sondierungsgrabungen Hinweise auf eine archäologische Fundstelle ergeben. Aufgrund dieser Ergebnisse wurden die Arbeiten 2025 ausgeweitet und bis Dezember abgeschlossen.
Das untersuchte Areal umfasst rund 6.600 Quadratmeter. Nach Angaben der Grabungsleitung konnten die Ränder des Gräberfelds weitgehend erfasst werden. Lediglich im Norden verhinderten Straße und Wohnbebauung eine vollständige Untersuchung.
Brandgräber aus der römischen Kaiserzeit
Die entdeckten Bestattungen datieren in das 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus. Es handelt sich um Brandgräber, die einer germanischen Bevölkerung zugeschrieben werden. Die Toten wurden verbrannt und der Leichenbrand anschließend beigesetzt.
Bereits 2024 war eine Urnenbestattung aus dieser Zeit gefunden worden. Sie liegt westlich des heutigen Friedhofs und nördlich des sogenannten Russenfriedhofs, auf dem sowjetische Zwangsarbeitende aus dem Zweiten Weltkrieg bestattet sind.
Die aktuellen Ausgrabungen zeigen eine große Bandbreite an Totenriten. Neben klassischen Urnenbestattungen fanden die Fachleute Leichenbrand, der unterhalb oder neben Keramikgefäßen lag. Zudem wurden sogenannte Brandschüttungsgräber dokumentiert, bei denen der Leichenbrand ohne Behältnis in eine Grube eingebracht wurde.
Auch ein sogenanntes Leichenbrandnest wurde freigelegt. In diesem Fall könnte der Leichenbrand ursprünglich in einem organischen Behältnis, etwa einem Lederbeutel, beigesetzt worden sein.
Beigaben und Doppelbestattungen
Die meisten Gräber waren Einzelbestattungen. Vereinzelt kamen jedoch auch Doppelbestattungen zum Vorschein, bei denen zwei Urnen nebeneinander in einer Grabgrube standen. Als Beigaben fanden sich kleinere Keramikgefäße, teils vollständig erhalten, teils fragmentiert.
Darüber hinaus entdeckten die Archäolog:innen eine Buntmetallfibel, vermutlich aus Bronze, sowie eine halbe Glasperle. Besser erhaltene Urnen wurden gesichert und zur Restaurierung gebracht. Dort erfolgen nun weitere Untersuchungen des Leichenbrands und der Grabbeigaben.
Nach dem Denkmalschutzgesetz lag die Verantwortung für die Ausgrabungen bei der Projektentwicklerin des Wohnquartiers. Die Arbeiten wurden von einer archäologischen Fachfirma durchgeführt und vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe begleitet. Die Ergebnisse fließen nun in die weitere wissenschaftliche Auswertung ein.
